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Zur Tektonik Mittelalbaniens.

Nopcsa, Franz Baron

Kurzfassung

Durch das Erscheinen von NOWACKS geologischer Karte Albaniens und seinen Erläuterungen zu dieser Karte gelangten wir in der Kenntnis der Geologie der Balkanhalbinsel wieder einen gewaltigen Schritt vorwärts. Leider verfolgten die geologischen Aufnahmen NOWACKS in Albanien eher praktische als theoretische Zwecke und daher kam die großzügige Tektonik bei seinen Arbeiten etwas zu kurz. In den folgenden Zeilen sei der erste Versuch unternommen, die Regional-Tektonik Mittelalbaniens zu schildern. In Übereinstimmung mit meinen diesbezüglichen Ansichten geht aus NOWACKS Arbeiten klar hervor, daß man es im äußersten Osten Mittelalbaniens mit einem alten Teile zu tun habe, bei dem sogar die jüngsten Glieder bloß die Trias umfassen. Im Westen grenzt dieser Teil an einen großen Bruch, der Drinbruch genannt wurde, und jenseits dieses Bruches gelangt man in eine Region, die durch gewaltige Deckschollen charakterisiert ist. Obzwar nun die einzelnen Deckschollen dieses Gebietes mehrfach schuppenartig aufeinandergeschoben und zum Teil auch in kleinere Teilschollen aufgelöst erscheinen, kann man drei Regionen erkennen und zwar a) die Region der Deckschollen von Merdita, b) jene der Deckschollen von Spat, c) jene der Deckschollen von Korca. (Abb. 1.) Die Südgrenze des in früheren Arbeiten geschilderten Merdita liegt etwa nördlich von Elbassan und, um die weiteren tektonischen Einheiten zu fixieren, ist daher nur mehr die Umschreibung der Deckschollenregion von Spat und Korca nötig. Als Region der Deckschollen von Spat kann man ohne Zweifel jenes Gebiet umschreiben, das von Elbassan südwärts bis an den Guri Topit hinzieht, östlich davon durch den Ort Podgradec am Ochrida-See begrenzt wird und nordwärts das südlich der Stadt Dibra liegende Jablanica-Gebirge umfaßt; von hier zieht sich seine Grenze nach Elbassan. Die Region der Korca-Schollen umfaßt ein südlicher liegendes Gebiet, aber dessen Begrenzung ist wegen des Mangels einer geologischen Karte von Griechenland noch nicht möglich. Das kleine Serpentingebiet der Grüka Devolit gehört möglicherweise nicht zur Deckscholle Spat. Anläßlich des Abschlusses meiner Geographie und Geologie Nordalbaniens (Budapest 1928) meinte ich noch, daß jener Zug mesozoischer Gesteine, in dem der Jura und die Trias völlig denselben Charakter wie im Cukali haben und der bei Alessio anfängt und Nordalbanien am Mati-Flusse verläßt, eine von der Maja Vels weithin gegen Osten vorgeschobene und dann in einem Bruche abgesunkene Partie des ,Cukali" sei. ...