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Letztglazialer Eisabbau und Flußgeschichte im nördlichen Ostpreußen und seinen Nachbargebieten.

Körnke, B.

Kurzfassung

A. Eisabbau: Vor den endgültigen Eisrückzug aus Ostpreußen fällt zum mindesten eine größere Rückzugsschwankung; als Ergebnis dieser Schwankung, der sich kleinere Oszillationen überlagerten, sieht HESS V. WICHDORFF (10) das ,Masurische Interstadial" (letztes Interstadial der dritten norddeutschen Vereisung nach BEURLEN, 3) des Baltischen Höhenrückens an. Eine Reihe vom Verfasser neu aufgefundener Interstadialablagerungen im Instertale stellen zweifellos die nördlichste Grenze der Schwankung dar; denn weiter nördlich konnten keine Anzeichen für interstadiale Ablagerungen mehr festgestellt werden. Auf große Eisrand nähe deutet auch die auffällige Undurchmischtheit der durchweg sehr dünnschaligen, und daher wohl nicht verschwemmten Faunenkomponenten. In einer Wechselfolge von tonstreifigen, zum Teil feinkörnigen Sanden, deren größte Mächtigkeit nicht festgestellt werden konnte, beschränkt sich die Fauna (Succinea, Limnaea, Gyraulus, Valvata, Pupa) auf etwa 40 cm starke, moosgrüne, feinsandig-tonige und sandige Schichten und in diesen auf eine 15 cm starke Hauptbank im Sand. Eine Wechselfolge von bunten Schichten gehört vielleicht schon zu den meist decktonartigen, subglazial gebildeten Deckschichten. In einigen Fällen liegt Sand bzw. Kies über dem Interstadial, so bei Bindszohnen mit 10 m Mächtigkeit und mit oberflächlicher glazialer Stauchung. Auch das Interstadial selbst war in einem Falle stark aufgepreßt, öfters aber in die meist 2,5 m mächtigen Deckschichten in Form linsenartiger Einlagerungen verarbeitet. Die Übereinstimmung im Profil und in den Lagerungsverhältnissen mit dem ,Masurischen Interstadial" ist so, daß Zugehörigkeit zu einem Vorgang sicher ist. Die Verbreitung des Interstadials läßt einen interstadialen Eisrand erkennen, der im Westen südlich des Pregeltales, im Osten auf dem Pillkallener Plateau aber nördlich desselben gelegen haben muß. Der nachinterstadiale Vorstoß drang bis auf die Höhe des Baltischen Höhenrückens nach Süden vor. Das auffälligste morphologische Phänomen des Baltischen Höhenrückens ist das der Rinnenseen. Nach den durchaus stichhaltigen Ausführungen WOLDSTEDTS (31) darf die ältere Annahme subglazialer, bzw. submarginaler Entstehung als erwiesen gelten, im Gegensatz zu der in letzter Zeit vielfach vertretenen Auffassung tektonischer Entstehung, wenn auch eine Modifizierung des normalen subglazialen Ablaufes durch tektonische Momente in einzelnen Fällen statthaben konnte. ...