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Zur Frage des Grenzhorizontes. (Bemerkungen zum Vortrage von Herrn W. WOLFF: ,Zur Frage der Entstehung und klimatischen Bedeutung des älteren Hochmoortorfes in den nordwestdeutschen Hochmooren")

v. Bülow, K.

Kurzfassung

Herr WOLFF gibt in seinem Vortrag vom 6. Nov. 1929 die begrüßenswerte Anregung, pedologische Erfahrungen auf die Moorgeologie anzuwenden. Seine Betrachtungen zur Entstehung und Bedeutung des älteren Moostorfes gründen sich auf eine neuartige Auffassung des sog. ,Grenzhorizontes". Diese Auffassung scheint mir teilweise bisherige Forschungsergebnisse von dritter Seite außer acht zu lassen. Was ist ,der Grenzhorizont" eigentlich? Der Grenzhorizont ist ein relativer Trockenhorizont, der einen Zeitraum der Verzögerung des Hochmoorwachstums repräsentiert, und zwar - wie die bisherigen pollenanalytischen Erfahrungen recht wahrscheinlich machen - den subborealen Abschnitt des Jungquartärs. Also darf nicht jeder Trockenhorizont der Hochmoore Norddeutschlands als Grenzhorizont angesprochen werden. Umgekehrt aber ist der Grenzhorizont im einzelnen nicht überall als echter, klarer ,Trocken" horizont ausgebildet. Das ist auch von vornherein, wenn man an die schnell wechselnde Beschaffenheit der Hochmoorflächen denkt, gar nicht zu erwarten. Im Ganzen aber ist der Grenzhorizont in jedem Fall ein Erzeugnis relativer Trockenheit, verglichen mit der Feuchtigkeit, die die Bildung des älteren (liegenden) und des jüngeren (hangenden) Moostorfes ermöglichte. Daraus ergibt sich ferner, daß man den Grenzhorizont keinesfalls als petrographischen Begriff, vielmehr nur als stratigraphisches Glied des Moorprofiles werten darf: denn er kann, wie auch Herr WOLFF sagte, als reine Schichtgrenze, als ziemlich schneller Übergang, aber auch als Stubben- oder Heidetorf zwischen dem älteren und jüngeren Moostorf auftreten. Diese verschiedenen Ausbildungsformen dürfen heute schon als stratigraphisch gleichwertig angesehen werden. Hinzu kommt, daß der ältere Moostorf (hä) in NW-Deutschland - petrographisch gesehen - nichts ist, als ein stärker humifizierter jüngerer Moostori (hj). Er bleibt es aber nicht, wenn man ihn weiter nach Osten verfolgt, im Bereiche weniger maritimen Klimas: in Pommern z. B. wird der hä durch einen seggenreichen Moostorf vertreten. Der hj hingegen zeigt die gleiche Ausbildung wie im NW; ebenso entspricht der Grenzhorizont bzw. Grenztorf dem nordwestdeutscher Moore.