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Kameslandschaften Estlands.

Markus, E.

Kurzfassung

Das Wort Kameslandschaft drückt einen geomorphologischen Begriff aus und bedeutet regellos angeordnete Kuppen und kurze Rücken von geschichteten Sanden und groben Kiesen, die durch tiefe tal- und schüsseiförmige Einsenkungen voneinander getrennt sind. Die Kameslandschaften kommen im nördlichen und im südlichen Teil von Estland vor, liegen aber fast alle östlich der Linie Reval-Walk, sie sind also nur in der östlichen Hälfte Estlands vertreten (Karte I). Ihre Länge schwankt gewöhnlich zwischen 2 und 7 km (Woorepalu 2,1 km, Kurtna 7,1 km) und ihre Fläche zwischen 1 und 13 qkm (Uljast 1,1 qkm, Lobenstein 12,9 qkm). Kleinere Kameslandschaften werden selten gefunden. Die relative Höhe der höchsten Punkte schwankt in niedrigeren Kameslandschaften gewöhnlich zwischen 10 und 20 m; in höheren Kameslandschaften steigt sie über 50 m (Wooremägi 55 m). I. Oberflächenformen der Kameslandschaften: Die Kameslandschaften bestehen aus Rücken, Kuppen und Einsenkungen. Die Rücken stellen schmale symmetrische oder asymmetrische Erdwälle dar, die gewöhnlich bis 30 m breit und bis 15 m hoch sind, und deren Abhänge bis 30° große Neigungswinkel haben. Die Rücken haben eine marginale oder eine radiale Richtung. Im ersteren Falle erheben sie sich aus der Umgebung der Kameslandschaft und fließen bei der Annäherung an die letztere mit ihr zusammen. Ein typischer radialer Rücken befindet sich in der Kameslandschaft von Wattküll. Er stellt einen symmetrischen Erdwall dar, der 17 m hoch ist und dessen Neigungswinkel gegen 39° erreichen. Die Kuppen - die in einer Kameslandschaft am häufigsten vorkommende Form - sind nach ihrer Form abgerundet, oval oder gestreckt. Die Neigungswinkel der Abhänge betragen 5-25°. Ihre relative Höhe beträgt 7-20 m. Die Kuppen sind untereinander durch rückenartige Aufwölbungen von verschiedener Größe verbunden. Die Einsenkungen sind tal- oder schüsseiförmig. Ihre Größe schwankt in bedeutenden Grenzen. Die größeren Schüsseln können bis 15-20 m tief sein und Neigungswinkel von 5-20° haben. Bei der Oberflächengestaltung der Kameslandschaft spielen die Kuppen die Hauptrolle, die Rücken und die Einsenkungen sind von geringerer Bedeutung. Die Kuppen mit den Schüsseln verleihen den meisten Kameslandschaften ein eigentümlich unruhiges und doch einförmiges Gepräge. In wenigen Fällen sind die Kuppen eng verbunden und die bezüglichen Kameslandschaften haben eine ruhige, wellige Oberfläche (Punama). ...