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Das geologische Alter der Schaalsee-Zivilisation.

Range, Paul

Kurzfassung

In einer umfangreichen Arbeit, die in den Mitteilungen des Museums für Völkerkunde zu Hamburg, XIII (Festschrift zum fünfzigjährigen Bestehen des Hamburger Museums für Völkerkunde. Hamburg 1928) erschienen ist, hat G. SCHWANTES die älteren Steinzeitfunde Norddeutschlands neu behandelt. Er nimmt die Eiszeitgliederung SCERGELS und deren Einordnung in die Strahlungskurve von MILANKOWITSCH als gegeben an. Spuren von Menschen, welche älter sind als die letzte Eiszeit, sind nach ihm im Bereiche dieses Gebietes, das im wesentlichen Schleswig-Holstein, Lauenburg und Nordhannover umfaßt, nicht mit Sicherheit nachgewiesen. Die Funde von GAGEL am Nordostsee-Kanal hält er nicht für beweisend, dagegen mißt er den Beobachtungen von STOLLER im Kieselgurlager von Bispingen, in den Süßwassermergeln von Westerweihe und den Süßwasserkalken von Nedden-Avenbergen größere Bedeutung bei. Diese Funde würden die Anwesenheit von Menschen in der letzten Zwischeneiszeit beweisen. Die ältesten Werkzeuge unmittelbar am Schlüsse der letzten Eiszeit, also vor rund 20 000 Jahren, sind nach ihm in den von FRIEDRICH nachgewiesenen Schlutup-Siedlungen bei Lübeck zu finden. Für jünger hält er die Steinzeitreste der Schaalsee-Zivilisation. Er schreibt darüber: ,Die Feststellung einer altpaläolithisch anmutenden Zivilisation bei uns im Norden gehört zu den merkwürdigsten Entdeckungen der letzten Zeit. Die Auffindung dieser Siedlungen verdanken wir dem außerordentlichen Eifer des Herrn ALEXANDER GEORG VON ZASTROW in Seedorf am Schaalsee, der seit Jahren in steter Zusammenarbeit mit dem Museum für Völkerkunde in Hamburg die Umgebung seines Wohnortes nach Zeugnissen steinzeitlicher Besiedlung absucht, vor allem nach Spuren des paläolithischen Menschen. Die in ständiger Verbindung mit dem Verfasser (SCHWANTES) erfolgte Erkennung und Herausschälung der äußerst eigentümlichen Formenwelt, die uns hier beschäftigt, wäre wohl kaum jemals erfolgt, wenn nicht Herr v. ZASTROW, von dem Wunsche beseelt, gerade primitive Typen zu finden, Dingen sein Augenmerk gewidmet hätte, die sonst kaum bei uns beachtet worden sind, da der Blick des nordischen Forschers nicht auf solche Formen eingestellt zu sein pflegt. Man kann wohl sagen, daß hier zum ersten Male bei uns eine Suche nach Urformen mit Erfolg gekrönt wurde". ...