Original paper

Zur Tektonik des Blattgebiets Weissach, mit Beitrag zur Wünschelrutenfrage. (Erwiderung an Herrn GEORG WAGNER)

Kranz, Walter

Kurzfassung

In seinem Buch ,Junge Krustenbewegungen im Landschaftsbilde Süddeutschlands" 1929 lobt GEORG WAGNER die südwestdeutschen geologischen Spezialkarten 1:25 000, meint aber dann: ,Von den württembergischen kann nur Blatt Weissach nicht als vorbildlich gelten, da es unmögliche Verwerfungen enthält, bei denen sogar zum Teil Diluvium gegen Trias verworfen ist". Nach einer Begründung dieser Kritik habe ich in seinem Buch vergeblich gesucht. Zunächst eine methodische Bemerkung: Schon der Titel des genannten Buches ,Junge Krustenbewegungen" setzt doch geradezu die ,Möglichkeit" diluvialer Verwerfungen voraus, also auch Verwurf von ,Diluvium gegen Trias"! Auf Blattgebiet Weissach erfreute ich mich bei dessen Aufnahme der Mitwirkung WAGNERS bei gemeinsamen Begehungen des alten Hochtals und erstmals kartierter, württembergischer m o 3 = Vorkommen. Sollte ihm nunmehr etwa die starke Zerstückelung schwäbischen Landes unwahrscheinlich sein, wie sie meine Kartierung ergab, so braucht man sich nur zu erinnern, daß auch in anderen schwäbischen Gegenden nach Aufnahmen 1:25 000 das Gebirge wie eine zerbrochene Glasplatte zersplittert erscheint, z. B. bei Tannenberg-Eisenbühl westlich von Haigerloch nach SCHMIERER, bei Wilflingen nach BERZ. Ich lehne es jedenfalls ab, irgendeiner Theorie zuliebe etwas anderes zu kartieren, als was ich mit kritischem Auge sehe, auch wenn es mir noch so ,unmöglich" erscheinen würde, und ich denke, jeder erfahrene kartierende Geologe wird mir darin beipflichten. Für WAGNERS Erwägungen wären nun nicht bloß die geologischen Spezialkarten 1:25 000 selbst, sondern auch deren amtliche ,Erläuterugen" grundlegend gewesen. In den Erläuterungen zu Blatt Weissach (gedruckt 1923) hätte er gefunden, daß seine Kritik unbegründet und unrichtig ist. Meine nunmehr seit zehn Jahren bei jeder Gelegenheit nachgeprüften Ergebnisse, die großenteils schon in den genannten Erläuterungen enthalten waren, sind folgende: An Stelle der auf dem geognostischen Blatt Stuttgart 1:50 000 verzeichneten ein fachen ,Engelberg-Verwerfung" (O. FRAAS) konnte ich auf dem Südwestrand des Blattgebietes Leonberg 1:25 000 drei Sprünge nachweisen, vgl. Abb. 1: der Hauptsprung streicht von der Straßengabel Leonberg-Gerlingen und Leonberg-Höfingen nordwestlich, überquert das Glemstal zwschen dem ersten ,c" und ,h" von ,Schocken" der bisherigen topographischen Karte 1:25 000 und läßt sich in leicht geschwungener Linie noch bis nahe N vom Südosteck des ,Wanne"-Waldes erkennen, wo er Gipskeuper (K m 1) gegen Lettenkohle (Ku) verwirft. ...