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Kritische Betrachtungen zum Caldera-Problem.

Sandberg, C. G. S.

Kurzfassung

Wenn man die geologische Literatur nach einer Definition des Begriffs ,Caldera" durchforscht, so ist festzustellen, daß eine genaue Umschreibung fehlt, der Bergiff an sich also noch immer ein unbestimmter geblieben ist. Dem Problem der Entstehung der Caldera haftet die Idee der Größe, der Übermächtigkeit an, obwohl die betreffende vulkanische Erscheinung in den verschiedensten Größen, vom Minimalen bis zum Riesenhaften, vorkommt. KEMMERLINGS Bemerkung (1, S. 35), daß am Idjen (Java) die Calderaform ,Scherung und Einschlag" ist, gilt für jedes Vulkangebiet der Erde - und wahrscheinlich auch des Weltalls -, das noch genügend von der Erosion verschont geblieben ist. Sucht man auch vergebens nach einer Definition des Begriffes ,Caldera", um so reicher ist die Literatur an Versuchen, die Ursache der Entstehung der Caldera zu entdecken. Dem Mangel des positiven Begriffes der Natur der Caldera ist es wohl hauptsächlich zuzuschreiben, daß eine der herrschenden Theorien, die Einbruchstheorie, die Lösung des Problems ihrer Entstehung in die unzugänglichen Tiefen der Lithosphäre verlegt und infolgedessen eine verständliche Erklärung für die Bildung von, den ,Calderagrößen" entsprechenden, gewaltigen Hohlräumen im Erdinnern suchen muß, die den mutmaßlich versenkten Teil eines Übervulkans in sich aufnehmen könnten, statt in erster Linie das Wesen der Caldera zu ergründen und dann, in Übereinstimmung mit und nach Analogie von gut festgestellten Tatsachen an der Oberfläche der Erde, das Problem ihrer Entstehung zur Lösung zu bringen. Die Theorien, die aus den Lösungsversuchen hervorgingen, haben - bei übrigens großen gegenseitigen Differenzen - nämlich einige Grundgedanken gemein, erstens, daß die Caldera kein primäres vulkanisches Gebilde sei; zweitens, daß die Caldera nicht auf verschiedene Weisen hat gebildet werden können, sondern ausschließlich so, wie der Autor sich die Ursache ihres Werdens gedacht hat; drittens, daß die Caldera einem übermäßig großen Vulkankegel entstammt, nach dessen Vollendung sein zentraler Teil auf katastrophale Weise vernichtet sein soll, als Überrest des verschwundenen zentralen Teils den Calderaboden und ihre Wände hinterlassend; und viertens, daß, wie DALY (2) es ausdrückt, die maximale Größe der ,Necks" der Jetztzeit, auch die des größten Eruptivkanals der Vorzeit darstellen soll und diese deshalb hat, viel kleiner sein müssen als die seiner Caldera.