Original paper

Das Rotliegende von Lippspringe. (Eine Erwiderung an Herrn STILLE.)

Haack, W.

Kurzfassung

In einer im Jahre 1927 erschienenen kleinen Arbeit hatte ich an der Hand von Bohrproben und eines darin gefundenen Krebses das Auftreten von Rotliegendem im Untergrunde von Lippspringe in Westfalen festgestellt. Hierauf hat H. STILLE in einem auf der Steinkohlentagung zu Bochum am 9. Mai 1929 gehaltenen Vortrage und einem gleichlautenden in dieser Zeitschrift vor kurzem erschienenen Aufsatze, betitelt ,Die subvariszische Vortiefe" Bd. 81, 1929, Heft 7, S. 339 bis 354, Zweifel an der Deutung als Unterperm geäußert und die fraglichen Schichten in das Flözleere verwiesen. Da er aber die sehr gewichtigen Einwände, die ich ihm schon längere Zeit vor der Tagung in einem Schriftverkehr über den Gegenstand, z. T. auch mündlich, entgegenhalten konnte, in seinem Aufsatze nicht erwähnt, sehe ich mich gezwungen, an dieser Stelle auf die Angelegenheit zurückzukommen. Einleitend zunächst einige kurze Bemerkungen über das Vorkommen selbst. In einer bei Lippspringe im östlichen Teile des Münsterschen Kreidebeckens ausgeführten Tiefbohrung wurde nach Durchstoßung der Oberen Kreide und des Oberen Gaults bei 456 m Teufe eine Schichtenfolge von Pflanzenreste führenden dunklen Sandsteinen und dunklem, z. T. rot abfärbendem, von feinen Kalkbändern durchzogenem Schieferton erbohrt, die, da die Bohrung bei 468 m eingestellt wurde, nur auf eine seigere Teufe von 12 m, d. h., da das Einfallen etwa 45° betrügt, in einer wahren Mächtigkeit von etwa 8,5 m bekannt wurde. Obwohl die der Preußischen Geologischen Landesanstalt zugegangenen Proben, die mir zur Untersuchung vorgelegt wurden, nur sehr klein waren - nur wenige. Kubikzentimeter umfaßten z. B. die der Sehiefertone -, so waren sie doch insofern höchst wertvoll, als sie zwei Krebsreste, und zwar gleich von zwei verschiedenen Ordnungen enthielten. Der eine war eine unvollständig erhaltene, nicht näher bestimmbare Estheria, der andere gehört zu der schon mehr an höhere Krebse, etwa Garneelen erinnernden Ordnung der Syncarida. Obwohl nur als seidenglänzender hauchartiger Abdruck erhalten, läßt dieser doch verhältnismäßig viele Einzelheiten erkennen, u. a. sogar einen Teil der Beine, insbesondere die charakteristischen Raubfüße.