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Zur Systematik der Auslaugung.

Weber, Hans

Kurzfassung

Unter Auslaugung pflegen wir die Auflösung und Fortführung löslicher Mineralien und Gesteine durch das Untergrundwasser zu verstehen. Wie bedeutend der Einfluß ist, welcher durch dieses Phänomen in manchen. Gebieten auf die Gestalt der Oberfläche ausgeübt wird, konnte ich in meiner kürzlich erschienenen Arbeit über das westliche Thüringen zeigen; hier sind es nicht nur die bekannten und mächtigen Salzfolgen des Oberen Zechsteins, sondern auch die morphologisch bisher viel weniger beachtete Lagerstätte der Anhydritgruppe sowie die Rötgipse, durch deren unterirdische Beseitigung die Geländeformen in sehr erheblichem Ausmaß beeinflußt und bestimmt werden. Das gleiche gilt für das Thüringer Becken und die Vorlandbezirke des Harzes, welche ihre Oberflächengestalt zum Teil in ungewöhnlich hohem Grade der Auslaugung verdanken. Als einstweiliges Ergebnis einer begonnenen Untersuchung dieser Gebiete möchte ich im folgenden den kurzgefaßten Entwurf einer systematischen Gliederung des Auslaugungsphänomens in seinen Beziehungen zur Erdoberfläche vorlegen. In Mitteldeutschland kommen Kalk- und Dolomitgesteine, Anhydrit, Gips, Steinsalz und Kaliummagnesiumsalze als lösliche Bestandteile des Untergrundes vor. Da es sich bei der subterranen Beseitigung des Calcium- und Magnesiumkarbonats jedoch bereits nicht mehr um eine einfache Auflösung, sondern um eine chemische Umsetzung (Bikarbonatbildung) handelt, so soll der Begriff der Auslaugung hier lediglich auf die unsere Salzlagerstätten zusammensetzenden Chloride und Sulfate angewendet werden. Wegen des verschiedenen Verhaltens derselben dem Wasser gegenüber spielt sich die Auslaugung der Lagerstätten rhythmisch und zwar in folgenden drei Phasen ab: 1. Vorherrschend ziemlich rasche Beseitigung des Chlornatriums und der Kaliflöze bis zum völligen Verschwinden dieser Komponente. 2. Vorherrschend Hydratisierung des Anhydrits. 3. Vorherrschend Gipsauflösung, wobei unter besonderen Umständen, z. B. bei bedeutender Mächtigkeit des schwefelsauren Kalkes, die subterrane Auflösung im Ausbiß von der Denudation abgelöst werden kann. Durch den schnell und flächenhaft erfolgenden Schwund der Gesteinsmasse in der Phase 1 (|1) werden an der Oberfläche vorwiegend ausgedehnte Senkungsfelder erzeugt, deren Reliefenergie der Mächtigkeit der abgelaugten Lagerstätte entspricht. ...