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Die Dehnung der Lithosphäre.

Bogolepow, Michael

Kurzfassung

Einleitung: In den nachfolgenden Kapiteln sind meine Auffassungen über die Entstehung des Antlitzes der Erde niedergeschrieben. Diese Gedanken sind unter verschiedenen Titeln und in verschiedenen Zeitschriften zu ihrer Zeit schon erschienen. Aber, nachdem ich meine Theorie über die Verschiebung der Syr-Arabischen Scholle im Mai 1922 in der ,Société des Naturalistes de Moscou" vorgetragen hatte, sind manche für eine Entwicklung meiner nachherigen Betrachtungen sehr wichtige Werke erschienen. Sie fördern diese Betrachtungen in der von mir gewählten Richtung stark; auf solche Weise erscheint dieser Aufsatz als eine Ergänzung und Vertiefung der schon vorgetragenen Auffassungen des Gegenstandes. In erster Linie ist das geistreiche Werk von WEGENER zu nennen, welches ich zum erstenmal in der dritten Auflage kennengelernt habe. Auf den Gedanken über die Existenz von periodischen Bewegungen des unterirdischen Magmas bin ich schon im Jahre 1908 gekommen, als ich meine Arbeit über das Wandern der vulkanischen und seismischen Aktivität von dem Äquator aus gegen die höheren Breiten schrieb; zugleich kam bei mir die Vorstellung auf, daß die Faltung der Erdoberfläche durch diese Bewegungen vor sich gehen könne. Diese Bewegungen stellte ich mir analog den Sonnenflecken als Wirbel vor, und ich hoffte daher, daß diese Annahme sich im Bau der Erde bestätigen müsse. Auf diese Weise kam ich nach einer Reihe von Schlußfolgerungen auf die Verschiebungsfähigkeit weitgehender Flächen der Lithosphäre. Die Annahme einer solchen Fähigkeit stand aber in einem so großen Widerspruch zu allen gewohnten Vorstellungen, daß ich in eine recht unangenehme Lage geriet: meine Betrachtungen konnten nur als Ergebnisse der reinen Phantasie aufgefaßt werden. WEGENERS Lehre brachte mir die größte Ermutigung, weil er aus ganz anderen Gründen zu demselben Verschiebungsprinzip gekommen ist. Ein anderes Buch, das mir die größte Erleichterung brachte, ist die Geologie Afrikas von E. KRENKEL. Dieses große Werk ist eine reiche Zusammenstellung mannigfaltiger geologischer Tatsachen von diesem Kontinent. Die große Anzahl dieser Tatsachen beweist, daß das berühmte ostafrikanische Bruch- und Grabensystem durch ganz andere Kräfte entstanden sein muß, als man bisher anzunehmen pflegt.