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Die kretazischen Ölschiefer und Globigerinenkalke des Nonsberges und der nördlichen Brentagruppe.

Patriciu, Valeriu; Teichmüller, Rolf

Kurzfassung

Im folgenden wird versucht, die Frage nach der Entstehung der Ölschiefer auf dem Nonsberg und der nördlichen Brentagruppe zu klären; verdienen doch diese Vorkommen durch den ungewöhnlichen Foraminiferenreichtum der begleitenden - mehrfach als Tiefseebildungen gedeuteten - Sedimente sowie durch die großartigen Aufschlüsse, die der Abbau bzw. die Abtragung im Hochgebirge hinsichtlich des Schichtenverbandes geschaffen haben, ein besonderes Interesse. Hinzu kommt die Bedeutung, die diese cenomanen Ölschiefer für die Altersbestimmung der oberkretazischen Orogenese im Etschbuchtgebirge besitzen. Da nämlich im Trentin das Cenoman nur stellenweise die Basis der höheren Oberkreide bildet und diese anderwärts unmittelbar auf Trias ruht, ist es wichtig zu erfahren, ob die Ölschiefer bereits in lokalen Senken abgelagert oder erst nachträglich durch die intrakretazische Erosion auf kleine Reste reduziert worden sind. Zur Klärung dieser Fragen sei zunächst die Ölschieferserie des Nonsberges beschrieben. Die sich aus dem petrographisch-faunistischen Befund ergebenden Schlußfolgerungen über die Entstehung sollen dann an den klaren Verbandsverhältnissen auf der Brenta nachgeprüft bzw. ergänzt werden. I. Die Ölschiefer und Globigerinenkalke des Nonsberges. a) Das Liegende der Ölschiefer: Über den Dolomiten der Oberen Trias und den von diesen nur schwer zu trennenden dolomitischen Kalken mit unbestimmbaren Gastropodenfragmenten liegen im Val di Non ohne merkliche Winkeldiskordanz glaukonitische Sande und Kalke, die bei Mollaro auch in Konglomerate übergehen. Ihre Geröllzusammensetzung aus aufgearbeiteter Trias, Jura und Unterkreide (Schichten, die in der Nachbarschaft - so im Rochettaprofil und bei der Malga von Tuenno - noch in küstenfernerer Fazies erhalten sind) zeigt, daß hier schwache Aufwölbungen vor Ablagerung der mittelkretazischen Ölschieferserie stattgefunden haben. Im Hangenden des Transgressionskonglomerates nehmen die minerogenen Bestandteile des Sedimentes schnell ab und die organogenen dementsprechend zu, so daß sich bereits wenige Zentimeter über der höchsten Geröllage ein lichtgrüner Kalk einstellt, der sich u. d. M. als ein fast reiner Orbulinarit erweist. Einzig sein geringer Glaukonitgehalt unterscheidet ihn von den überraschend ähnlichen Sedimenten des norddeutschen Plänermeeres, wie sie BESCHOREN beschrieben hat. ...