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Zur Geologie des Geiseltales bei Merseburg mit besonderer Berücksichtigung der Braunkohle.

Weissermel, W.

Kurzfassung

Das Talgebiet des Geiselflüßchens bei Merseburg, vor wenigen Jahrzehnten außerhalb des engeren Provinzbezirkes noch so gut wie unbekannt, ist heute eines der in wirtschaftlichen, weniger in wissenschaftlichen Kreisen meistgenannten Gebiete Mitteldeutschlands. Ist es doch durch seine ungewöhnlich reichen, auf engem Raume konzentrierten Braunkohlenschätze mit das wichtigste Industriegebiet Mitteldeutschlands geworden. Dieser gewaltige Kohlenreichtum interessiert aber nicht nur den Wirtschaftler, sondern ebensosehr den Geologen. Handelt es sich doch um das mächtigste Braunkohlenflöz Europas, eine Anhäufung von Braunkohle in (geologisch gesprochen) einem Flözkörper auf engem Raume, die in Deutschland nur noch mit dem Niederrheingebiet und dem noch wenig erschlossenen Becken von Zittau verglichen werden kann. Trotzdem ist die wissenschaftliche Literatur über dieses Gebiet noch ziemlich bescheiden. Als der Verfasser dieses Aufsatzes in den Jahren 1902-1905 die Blätter Merseburg-West und Weißenfels, auf denen der größte Teil des Geiseltaltertiärs liegt, geologisch aufnahm, war das Geiseltal eine ziemlich stille, außerordentlich fruchtbare Gegend, ein Landwirtschaftsgebiet ersten Ranges, in dem eine Anzahl kleinerer Braunkohlengruben (Otto bei Körbisdorf, Emma bei Lützkendorf, Pauline bei Stöbnitz, dazu im Roßbacher Spezialbecken die Grube Gottessegen) ein beschauliches Dasein führten. Die alte Grube bei Beuna war in den 70er Jahren zum Erliegen gekommen. - Während des Druckes der Blätter und der für die einheitliche Bearbeitung des Diluviums erforderlichen Begehungen sah ich dann die heutigen großen Gruben entstehen, so daß die Ergebnisse dieser großartigen Aufschlüsse für das Diluvium in der angegebenen Arbeit noch berücksichtigt werden konnten. In die Kohle waren die Gruben bis zum Erscheinen der Blätter noch wenig eingedrungen. Diese und ihre Erläuterungen enthalten also nicht viel über das Tertiär. Eine zusammenfassende, sehr sorgfältige Bearbeitung des ganzen Gebietes nach dem damaligen Stande der Aufschlüsse brachte die Arbeit von SALZMANN. In den drei Auflagen des KLEINSehen Braunkohlenhandbuches habe ich sodann je eine kurze, dem fortschreitenden Stande der Kenntnis angepaßte Schilderung des Braunkohlenbeckens gegeben.