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Die geologischen Bedingungen der Braunkohlenbildung.

Weissermel, W.

Kurzfassung

Die Braunkohle ist einer der wichtigsten mineralischen Rohstoffe unseres Vaterlandes. Ist sie uns doch in erfreulicher Menge zuteil geworden. Wir finden sie, wenn auch in sehr ungleicher Verteilung, buchstäblich von der Maas bis an die Memel, von den Alpen bis zum Belt. Ihre wirtschaftliche Bedeutung ist daher im letzten halben Jahrhundert und ganz besonders in den Nachkriegsjahren erheblich gestiegen. Der rege Braunkohlenbergbau, zu dem diese Tatsachen geführt haben, und der zur Freude des Geologen heute noch größtenteils in der Form des Tagebaus stattfindet, hat diese Lagerstätten unserer jüngeren Mineralkohle in glänzender Weise aufgeschlossen, so daß der Geologe in die Braunkohlenflöze und ihre Deckschichten einen Einblick tun kann, wie er ihm nicht in vielen Teilen der Erdrinde gestattet ist. Aber alles hat seine zwei Seiten. Gerade die hohe technische Bedeutung der Lagerstätte und eine gewisse Einseitigkeit der Aufschlüsse, die naturgemäß im allgemeinen nicht tiefer reichen als die Unterkante der bauwürdigen Kohle, haben es mit sich gebracht, daß man die Braunkohle als wirtschaftliches, und was ihre Entstehung anbetrifft, als botanisch-chemisches Problem ansah und nur selten sich daran erinnerte, [daß sie auch ein geologisches Problem von hohem Range darstellt. Von diesem Gesichtspunkte aus wollen wir sie also hier betrachten. Die Braunkohlen der Tertiärformation - auf diese Formation ist das, was man Braunkohle nennen darf, mit wenigen Ausnahmen beschränkt - stellen eine für die Erdgeschichte ganz ungewöhnliche Erseheinung dar. Wohl sind Kohlengesteine, wenigstens von der Karbonformation ab, weit verbreitet in der Erdrinde. Das Karbon selbst bringt ja ein gewaltiges Maximum der Kohlenbildung in den verschiedensten Ländern und Erdteilen. In Südosteuropa, in Asien und Amerika finden wir im Jura und in der Kreide verbreitete und nicht unerhebliche Kohlenlager. Aber erst im Tertiär findet in Mitteleuropa und ebenso in vielen anderen Ländern - ich nenne nur Amerika, die Sunda-Inseln, Ostasien, Australien - ein neues Anschwellen der Kohlenbildung statt, und zwar in Gestalt eines neuen Lagerstättentypus. Die Unterschiede des Auftretens gegenüber den karbonischen Steinkohlen hat STILLE (ebenso wie ich es schon lange in meiner Vorlesung tue) dahin gekennzeichnet: Im Karbon viele, aber wenig mächtige Flöze, eingeschaltet in mächtigen Gesteinsserien, im Tertiär wenige; aber sehr mächtige Flöze, eingeschaltet in Ablagerungen von mäßiger oder geringer Mächtigkeit, an deren Aufbau die Kohle einen sehr viel größeren prozentualen Anteil hat. ...