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Fragen der Braunkohlenentstehung vom botanischen Standpunkte aus

Gothan, Walther

Kurzfassung

Man kann sagen, daß das oder die Probleme, die die Entstehung der Braunkohle bietet, besonders vom paläobotanischen Standpunkte aus, in den letzten Jahren ein gutes Stück vorwärts gekommen sind, aber auch was die geologische und chemische Seite anlangt. Man ist aber noch weit entfernt davon, alle Fragen befriedigend beantworten zu können; man wird dies vielleicht niemals vollkommen können, aber die Wissenschaft ist zufrieden, wenn sie Fortschritte gegen das frühere verzeichnen kann und auf weitere hoffen kann. Wenn man von der Entstehung der ,Braunkohlen" spricht, so ist dies eigentlich nicht richtig. Es gibt nicht nur eine Braunkohle, es gibt mehrere Arten und Typen von Braunkohle, wie es mehrere Arten des jüngsten Stoffes der kohlenartigen Bildungen, des Torfes, gibt. Es gibt verschiedene Braunkohlen, nicht nur nach ihrem Kohlungs- oder Reifestadium, von denen manche zur Steinkohle überleiten, sondern auch ihrer Entstehungsweise und ihrem Primärmaterial nach. Wir betrachten hier den Stand der Fragen der Braunkohlenbildung von dem letzteren Gesichtspunkte aus. Hierbei wollen wir uns auf die Arten der Braunkohle beschränken, die wir in Deutschland bei dem Worte ,Braunkohle" in erster Linie im Sinne haben, nämlich die Form der Weichbraunkohle, wie sie von PIETZSCH-PETRASCHEK-GOTHAN zusammengefaßt wurden (vgl. Berg- u. Hüttenmännisches Jahrb. Leoben, 75, 2, 1927; Braunkohle, 1927, Nr. 29). Von diesen bieten die besten Möglichkeiten zur Forschung in unserem Sinne die erdigen Weichbraunkohlen, kurz Erdbraunkohlen genannt, zu denen ohne jede Ausnahme unsere mitteldeutschen Braunkohlen gehören. Sie befinden sich noch in einem wenig fortgeschrittenen Kohlungsstadium, in manchem noch an ihr Urmaterial torfigen Stadiums erinnernd, mit dem sie durch Übergänge so verbunden sind, daß man schwierig und künstlich Grenzen zwischen beiden finden muß, da ihre Unterscheidung nicht nur wissenschaftliche Bedeutung, sondern auch praktischen Wert hat. Der Typus der Braunkohle, der die Forschung am meisten angeregt hat und zuerst in den Vordergrund des Interesses in unseren Fragen der Braunkohlenbildung trat, ist derjenige der Niederlausitzer Braunkohle, dem sich die Niederrheinische, Schlesische und vielleicht noch einige andere anschließen. ...