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Unterkarbonische Braunkohle von Moskau.

Stutzer, O.

Kurzfassung

Bei Moskau baut man unterkarbonische Braunkohle ab. Sie ist älter als die Steinkohle anderer Länder. Als ich im vergangenen Herbst (1929) in Moskau weilte, war es mein Wunsch, einige der dortigen Braunkohlengruben zu befahren. Ich erhielt die Erlaubnis und besuchte zwei Gruben des Feldes Stschokino in der Gegend von Tula, einer Stadt, die einige Stunden Eisenbahnfahrt südlich Moskau liegt. Das ,Moskauer Becken", das die Kohle birgt, ist sehr groß, angeblich 30 000 Quadratkilometer. Gefördert wird Kohle nur nahe dem jetzigen Südrand. Die Kohle wird im Tiefbau gewonnen. Die von mir besuchten Gruben waren 40-60 Meter tief. In geringer Menge hat man auch am Westrande des Beckens gelegentlich Kohle gefördert, etwa in der Mitte zwischen Petersburg und Moskau. Unter der Stadt Moskau ist in 400 Meter Tiefe ebenfalls Kohle durch Bohrung nachgewiesen. Die Schichten fallen im Grubengebiet flach nach Norden, kaum einen halben Grad. Da sie keinem Faltungsdruck und auch keinem größeren Belastungsdruck ausgesetzt waren, so haben sie sich in einem Zustand erhalten, der sonst für jüngere Ablagerung charakteristisch ist. Neben Kalkstein und mürbem Sandstein gibt es unterkarbonischen Sand und Ton. Die Kohle hat die Merkmale einer typischen Braunkohle. Die flözführende Abteilung des Unterkarbon ist übrigens nur wenig mächtig. BUBNOFF gibt ihre Mächtigkeit im Norden mit 30, im Süden mit 15 Meter an. Über die Schichtenfolge des Gebietes kurz folgendes: Südlich des Beckenrandes steht Devon an. Eine breite ,Devon-Achse" trennt hier das Moskauer Becken vom weiter südlich gelegenen Donetz-Becken. Den Übergang zum Karbon bildet harter Kalkstein mit eingelagerten bunten Tonen. Das dann folgende Unterkarbon beginnt im Westen mit Kalkstein, im Osten mit Ton und Sandstein, es enthält zwei unbedeutende kohlige Lagen. Darüber folgen Tone und Sande mit zwei Flözen, auf welchen der Abbau umgeht. Die Flöze sind nicht auf weite Strecken durchhaltend, sie sind absätzig. Die Mächtigkeit schwankt. Das untere Flöz ist durchschnittlich 1 Meter mächtig (0,4-2,5 m), das obere 2-3 m, das Zwischenmittel zwischen beiden Flözen 0,09-5 m. In den von mir besuchten Gruben wurde nur ein Flöz abgebaut, es war bis 4 m stark und von wenig Ton unterlagert, unter dem Ton kam Kalkstein.