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Die Deckgebirgsschichten im mitteldeutschen Braunkohlenrevier.

Lehmann, Richard

Kurzfassung

Die Zeiten liegen nicht weit zurück, in denen die über der mitteldeutschen Braunkohle lagernden Deckgebirgsschichten kaum Beachtung fanden. Man baute damals die Kohle vorzugsweise in Tiefbaugruben oder in Tagebauen mit geringmächtigem Deckgebirge ab. Der Lagerstättenwert wurde im wesentlichen nach der Qualität der Kohle bemessen. Im letzten Jahrzehnt ist hierin ein merklicher Wandel eingetreten. Die Braunkohle wird heute vorzugsweise in Tagebauen gewonnen, deren Deckgebirgsmächtigkeiten 30 bis 60 m und damit meist ein Vielfaches der Kohlenmächtigkeit betragen. Ein Verhältnis von Decke zu Kohle wie 4:1 ist heute, vom Geiseltal und Rheinland abgesehen, bereits nichts Ungewöhnliches mehr, und in der Folgezeit wird man mit noch ungünstigeren Verhältniszahlen rechnen müssen. Das bedeutet aber, daß die Kosten für die Abraumbewegung die reinen Kohlengewinnungskosten weit überflügelt haben; daraus ergibt sich, daß der Wert einer Braunkohlenlagerstätte heute vorzugsweise von der Mächtigkeit und Beschaffenheit des Deckgebirges abhängig ist. Die Beschaffenheit des Deckgebirges kann für den Betrieb in verschiedener Hinsicht von Einfluß sein. Ein Abraumbagger bringt im Terrassenkies oder im tertiären Sand ganz andere Leistungen als etwa in einem von Findlingen gespickten Geschiebemergel. Der Schnittwinkel der Eimerleitern kann in standfesten Kiesen und Sanden viel steiler gewählt werden als in einem zum Ausbrechen des Stoßes neigenden Gebirge. Eine Bändertonlage von wenigen Zentimetern kann die Verwendung schwerer Baggergeräte in Frage stellen. Die Unterhaltungskosten von Baggergleisen sind ganz erheblich verschieden, wenn die Gleise auf trockenem Kies oder auf diluvialen Lehmen oder Tonen liegen, die bei jedem Regen einen Morast bilden. Eine Berücksichtigung aller dieser Momente ist bei Betriebsprojekten möglich und kann zu erheblichen Ersparnissen führen. Hierfür ist jedoch Voraussetzung, daß die geologischen Verhältnisse des Deckgebirges hinreichend bekannt sind. Daß letzteres auch für die Beurteilung der hydrologischen Fragen gilt, sei nebenher erwähnt. ...