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Zur Deutung ostdeutscher Braunkohlenfalten

Roethe, Otfrid

Kurzfassung

Falten sind aus der ostdeutschen Braunkohle fast solange bekannt, als dort Bergbau umgeht. Ihre Beschreibung blieb jedoch lange Zeit auf die Mitteilung gelegentlicher Beobachtungen beschränkt, eine umfassende Behandlung dieser Erscheinungen war wegen des kleinen Umfanges der Grubenaufschlüsse nicht möglich. Nur dadurch ist es zu erklären, daß s. Zt. von seiten der Braunkohlengeologen und -bergleute kein Widerspruch gegen die Anwendung der Drifttheorie auf Norddeutschland erhoben wurde, daß es vielmehr Untersuchungen in anderen Gebieten vorbehalten blieb, die Beschaffenheit des diluvialen Eises auch für Norddeutschland zu klären. Erst als der Braunkohlenbergbau in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts im deutschen Osten mächtig aufblühte, konnte er wichtige Unterlagen zur Stützung der Inlandeistheorie liefern. Es sei hier nur an die verdienstvollen Arbeiten BERENDTS und WAHNSCHAFFES erinnert, auf Grund deren sich die Forscher mit wenigen Ausnahmen von der glazialen Entstehung der meisten Falten im ostdeutschen Braunkohlentertiär überzeugt haben. Eine eigentliche Deutung der Falten ist auch damals nicht versucht worden. Erst in jüngster Zeit sind dazu einige Ansätze gemacht worden. In seinen Untersuchungen im Geiseltal hat HORST WEIGELT eine bildliche Darstellung der Aufpressung und Abhoblung von Kohlenbuckeln gebracht. Die Störungen im Muskauer Flözbogen hat WEBER durch Zusammenschiebung des Flözes, Durchfrieren der Falten und nachfolgende Abhoblung erklärt. SCHULZ unterschied in der östlichen Mark Großfaltung und Kleinfaltung, deren Entstehung er durch Zusammenschub beim Vorrücken des Eises bzw. durch direkte Stauchung erklärte. Alle diese Arbeiten mußten sich wegen der Fülle des Materials auf einzelne, mehr oder weniger eng begrenzte Gebiete beschränken. Nach Untersuchungen von WEBER und neueren, noch angedruckten Arbeiten scheinen die Braunkohlen über weite Gebiete in Ostdeutschland horizontbeständig zu sein. Sie sind von anderen Gesteinen leicht zu unterscheiden und in zahlreichen Vorkommen ihres wirtschaftlichen Wertes wegen bergmännisch untersucht worden. ...