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Der geologische Bau des Geiseltales

Weigelt, Johannes

Kurzfassung

Charakteristisch für den tektonischen Unterbau von Mitteleuropa ist das Auftreten von großen, fast quadratischen Schollenblöcken, deren Innerer, sich allmählich eintieft, während die Ränder aufs höchste herausgefaltet oder herausgehoben sind. So entsteht morphologisch das Bild einer eingetieften Schüssel, die schwer entwässerbar ist und von hohen Gebirgszügen mit ausgeprägter Streichrichtung begrenzt wird. Dadurch ergibt sich geologisch ein auffälliger Kontrast zwischen junger Schollenfüllung im Innern und metamorphen und geologisch sehr alten Gesteinen an den Kanten. Die jüngeren Gesteine liegen aber nicht zentral in diesen Schollen, sondern dringen von Nordwesten her in sie ein; und bei der böhmischen, wie bei der benachbarten mitteldeutschen Hauptscholle liegt die NW-Kante am tiefsten. Das ist besonders deutlich erkennbar bei der böhmischen Scholle. Aber hier bildet der steile, hoch herausgehobene, noch jungbewegte Abbruch des Erzgebirges als SO-Kante der Nachbarscholle die tektonische, morphologische und hydrographische Begrenzung. Doch auch sonst liegen alle Hauptwasserscheiden nahe am Schollenrand: im SW der Böhmisch-Bayrische Wald, im SO das Böhmisch-Mährische Hügelland und im NO der Wall der Sudeten, der das Böhmisch-Mährische Gesenke nach dieser Richtung hin abschließt. Die Abriegelung des Elbe-Moldau-Gebietes durch das Erzgebirge, die Sudeten, den Böhmisch-Bayrischen Wald und das Mährische Hügelland wird ohne weiteres kenntlich an dem eigenartigen Verlauf der Entwässerung. Von allen vier Hauptwasserscheiden der Böhmischen Scholle streben die Flüsse dem Scholleninnern und ihrer besonders tief eingesenkten NW-Region zu. Abb. 1 zeigt das Verhältnis der Böhmischen Scholle zur Mitteldeutschen Hauptscholle in schematisch-körperlicher Darstellung, das Nebenkärtchen außerdem die eigenartige, in beiden Fällen sich sehr ähnelnde Entwässerung der beiden Gebiete. Die Gesteine, die älter sind als Zechstein und am Aufbau der Schollenränder besonders beteiligt sind, sind durch Schraffen hervorgehoben. Die Mitteldeutsche Hauptscholle (11) besitzt im Fichtelgebirge eine herausgehobene S-Ecke, an der der die SW-Kante bildende Thüringer und Franken-Wald mit dem Erzgebirge sich vereinigt, das die SO-Begrenzung darstellt. Dieser orographische Winkel springt auf jeder physischen Wandkarte von Deutschland sofort in die Augen. Die Rolle der Sudeten an der NO-Kante der Böhmischen Scholle übernehmen bei der Mitteldeutschen Hauptscholle der Flechtinger Höhenzug und die Lusatische Schwelle, die dasselbe Streichen wie der Thüringer Wald besitzen. ...