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Das Tertiär- und Diluvialprofil von Kärlich.

Mordziol, C.

Kurzfassung

Im Anschluß an die Rheintalarbeiten von E. KAISER bin ich seit Jahren um die Gewinnung einer auf breiter Beobachtungsgrundlage aufgebauten Einzelgliederung des mittelrheinischen Tertiärs und Diluviums bemüht. In dem kurzen Einführungsvortrag, um den es sich hier handelt, muß von einer Wiedergabe der Beobachtungen abgesehen werden; lediglich einzelne wichtige Schichtglieder sollen hier zur Darstellung gelangen. 1. Die Laacher Bimssteindecke. Die Gleichmäßigkeit ihrer Gliederung ist bemerkenswert. Schon allein hieraus ist die Annahme eines auf eine Mehrzahl von Ausbruchsstellen zu beziehenden Eruptionsvorganges hinfällig. Die ,Hauptbritzbank" (= Ascheschicht) stellt einen kurzen Erschöpfungszustand dar, der mitten in die Förderung des weißen Bimssteins fällt. Über diesen legt sich der graue, der der späteren Umarbeitung (durch Wasser und Wind) besonders anheimgefallen ist. Stratigraphisch von Bedeutung sind die vollständigen Bimssteinprofile, die sowohl am Westrande des Neuwieder Beckens (Mülheim-Kärlich) wie auch auf dessen Ostseite (Sayn-Bendorf) zu beobachten sind. Aus ihnen geht eindeutig hervor, daß die Laachersee-Aussprengung mitten in die Verlehmungszeit unseres jüngeren Lößes fällt, daß nach Schluß der Bimssteinüberschüttung der schon vorher in Gang gekommene Verlehmungsprozeß weiterging und Pflanzenwuchs den Boden bedeckte. Erst dann setzte eine Zeitspanne erhöhter Windverfrachtung ein und lagerte viel Bimsstein um. Aus der irrtümlichen Deutung derartig aufgearbeiteten Bimssteins schloß QUIRING auf einen nachträglichen besonderen vulkanischen Bimssteinausbruch. Aus diesen Profilen, ferner aus dem Auftreten des Laacher Bimssteins in der jüngeren Stufe der Niederterrasse und dem warmen Charakter der Traßflora glaube ich mit Bestimmtheit entnehmen zu können, daß der Laacher Ausbruch - wie schon 1908 angenommen - in den Schluß der Diluvialzeit, und zwar in die Zeit vor dem Bühlvorstoß, also in die Achenschwankung, zu setzen ist. Die Auffassung von WILCKENS, AHRENS u. a., wonach die Bimssteinüberschüttung mitten im Alluvium, in der atlantischen Periode, erfolgt sei, steht mit dem Gesamtbild der Beobachtungen im Widerspruch. Damit werden auch die weitgehenden Folgerungen von AHRENS über die Abtrennung des Alluviums von der Niederterrasse am Mittel- und Niederrhein unberechtigt. ...