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Tektonische Entwicklungsphasen im nördlichen Palästina, Dargestellt an einem geologischen Querprofil, einer Strukturskizze und einem Diagramm.

Picard, Leo

Kurzfassung

Fassen wir zusammen, so ergibt sich zunächst das folgende Gestaltungsbild: Nach vergeblichen Ansätzen im Danien erlebt Palästina seine erste Landwerdung im Oligozän, der eine zweite Hebung vielleicht im Miozän folgt. Abgesehen von einigen in Buchten und Senken eindringenden Meerestransgressionen bleibt das Land nun endgültig über Meer gehoben und wird namentlich zu Ende des Pliozäns einer besonders intensiven Hebungs- und Aufwölbungsphase unterworfen. Mit den jeweiligen Hebungsphasen sind in rhythmischem Wechsel Muldenbildungen verbunden. Es handelt sich bei diesen Eintiefungen zunächst um die Anlage des sog. Ostgaliläischen Neogenbeckens (Oligo-Miozän). In einer zweiten Phase wird Haifa-, Jesreel-, Dschaludsenke angegliedert (Miozän), und nach noch jüngeren Einbrüchen folgt als letzte, größere Eintiefung, die Taborsenke (Pliozän). 'Die meisten dieser Senken sind spätestens im Obermiozän so weit angelegt, daß sie im Pontium von großen lagunär-kontinentalen Ablagerungen, oder von mächtigen marinen Tonen aufgefüllt werden. Aussüßung dieser Inlandbecken tritt mit dem Ende des Unterpliozäns ein, bis erneut eine nun sehr weitreichende Meerestransgression im Mittelpliozän bis tief ins Innere des Landes (Jordan?) einbricht. Anfängliche kleinere Basalteruptionen begleiten die Transgression, sie werden später zu mächtigen, weite Flächen überdeckenden Arealergüssen. Die oberpliozäne Gebirgshebung schließt endgültig mit stärkeren Übergriffen des Meeres ab. Nur an der Küste herrschen niedere Überflutungen (rote Kalksandsteine), während im Binnenlande terrestrische Konglomeratserien sich aufhäufen (Melanopsisstufe). Das Diluvium birgt im Jordangraben jenen langgestreckten salzigen Inlandsee, der die Sedimente des älteren Binnen-Neogens umarbeitet und wiederum ablagert (Lisanstufe). Die Haifasenke wird von einem großen Sumpf bedeckt, der bis an den Rand der Gebirge reicht (Blauton). Vertikalbewegungen, wie sie sich in Brüchen und Störungen wiederspiegeln, sind wesentliche Voraussetzung für die Bildung der zuvor geschilderten Senken. Hierbei erkennt man erneut ihre tektonische Abhängigkeit von jenen besonderen Hebungstendenzen, die im Oligo-Miozän und namentlich Oberpliozän sich auswirken und immer Bruchphasen im Gefolge haben. So folgt zwischen Oligo- und Miozänhebung der Schittaeinbruch, der das ostgaliläische Becken anlegt. Nebi Dahi-, Gilboa-, Ephraim-, Karmelstörung, d. h. erythräische Strukturelemente erscheinen als Auswirkung miozäner Aufwärtsbewegungen und ermöglichen die erythräischen Niederungen. Erythräische (Malul) und somalische 'Sprünge treten um die kritische Zeit des Mittelpliozäns auf und führen nach vorangegangener schwacher Hebung zur ersten Ausfurchung der Tabormulde. Endgültige Ausgestaltung der Tiefen bei Besan, Tabor und Haifagegend ermöglichen dann die jüngeren somalischen Linien, die als Nachläufer der oberpliozänen Hebung (Hauptwasserscheidenbildung) wirken und die Umformung der heutigen Landschaft entscheidend beeinflussen. Zerrungs-, Gleiterscheinungen, Erdbeben waren und sind noch fortdauernde Kräfteauslösungen dieser jüngsten Bewegungen.