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Über ,atektonische Faltung" (Stiche) in der Trias des Harzvorlandes und über einen merkwürdigen Fall von Hakenschlagen.

Keilhack, Konrad

Kurzfassung

Unter dem Titel ,Über atektonische Faltung bei Kimberley S. A. U.", beschreibt A. BORN in dieser Zeitschrift Jahrgang 1929, S. 540-541 kleine oberflächennahe Auffaltungen toniger Karrooschichten entlang senkrecht stehenden Klüften, die mit weißem Oberflächenkalk ausgekleidet sind, der sich zwischen die aufgesattelten einzelnen Schichten hineinzieht und in etwa 3 m Abstand von der Spalte auskeilt. BORN erklärt die Erscheinung durch Kristallisationsdruck des aus aufsteigenden Lösungen bei Verdunstung des Lösungsmittels sich ausscheidenden Oberflächenkalkes. Ich habe die gleiche Erscheinung außer bei Kimberley auch in einer flachen Grube in den Eccaschichten der Karruformation bei De Aar in der Kapprovinz bei einer Wanderung zu den im N der Stadt liegenden Diabasbergen beobachtet. Es sind das die Berge, die schon bei der Bahnfahrt durch die geschmacklose Reklame für Kapstädter Löwenbräu und Pretoria-Zement in 10 m hohen gepflasterten Buchstaben auffallen. Die rotbraunen Tonschiefer liegen fast flach und zeigen dieselben oberflächennahen symmetrischen Schichtaufbiegungen, wie die schwarzen Dwykaschiefer bei Kimberley. Beide Erscheinungen riefen bei mir aber sogleich die Erinnerung an Bilder wach, die ich in unserm deutschen. Muschelkalk und Buntsandstein gelegentlich der geologischen Kartierung der Blätter Bernburg, Nienburg, Staßfurt und Güsten im nordöstlichen Harzvorlande an zahlreichen Stellen beobachtet und in den Erläuterungen zu den drei erstgenannten Blättern unter Beigabe von Profilzeichnungen beschrieben habe (Blatt Staßfurt S. 43-45, Blatt Bernburg S. 39-40, Blatt Nienburg S. 43-45). Die Erscheinung ist den Steinbruch-Arbeitern wohl bekannt und wird von ihnen mit dem Wort ,Stiche" bezeichnet. Da die Erläuterungen der Geologischen Spezialkarten - von Sonderfällen abgesehen - im allgemeinen nur von den Benutzern des betreffenden Kartenblattes eingesehen werden und da aus diesem Grunde auch Herrn BORN meine Mitteilungen entgangen waren, so will ich, besonders da die BoRN'sche Erklärung für die deutschen Vorkommen nicht zutrifft, noch einmal das in jenen drei Erläuterungsheften Gesagte unter Beifügung der drei damals gegebenen Abbildungen und zweier neuer photographischer Aufnahmen zusammenfassend wiederholen. ...