Original paper

Über das Auftreten der Seeigel im Oberturon des Beckens von Münster.

Riedel, Leonhard

Kurzfassung

Die Bohr- und Schachtprofile der mittleren und oberen Kreide des Münster'schen Beckens bieten hinsichtlich der Abgrenzung der Formationsstufen meist große Schwierigkeiten. Dies ist einerseits durch die relative Fossilarmut der Schichten bedingt, anderseits durch den raschen Fortschritt der Abteufarbeiten, bei dem von Seiten der Betriebsbeamten nur in die Augen springende Stücke gesammelt werden können. Auf diese Schwierigkeiten hat R. BÄRTLING (1920, S. 199 ff., 209) besonders hingewiesen. Besonders schwer zu deuten sind die Profile aus den weit nördlich und im Osten gelegenen Gebietsteilen, wo die Grünsande fehlen und die Kreide in großer Mächtigkeit aus weißen bis blaugrauen, ± tonigen und kalkigen Mergeln besteht. Aus solchen Angaben der Farbe und des Sand- und Tongehaltes lassen sich stratigraphische Grenzen schwer ziehen. Bei den zahlreichen Besuchen der Schachtabteufen, bei denen meterweise Fossilien aufgesammelt wurden, an denen ich als Begleiter des Herrn H. FISCHER in Essen teilnehmen durfte, fiel das Auftreten der Seeigel im Oberturon auf, auf das jedoch schon CL. SCHLÜTER hingewiesen hat. Diesem Vorkommen hat man infolge der noch heute herrschenden geringen Kenntnis der Seeigelfauna wenig Beachtung geschenkt. Ein erneuter Hinweis darauf erscheint um so mehr angezeigt, als den Betriebsbeamten das häufige Auftreten der Seeigel als ,kalkige Knollen" stets gleich in die Augen sprang, und so vielleicht einen neuen Anhaltspunkt bei der Bearbeitung von Schacht- und Bohrprofilen darstellen könnte. 1869 (S. 21) bemerkt SCHLÜTER bei der Beschreibung des Epiaster brevis DÉSOR, daß er dieses Fossil nur in der Zone des Inoceramus cuvieri GOLDF. (= Inoceramus schlönbachi J. BÖHM) getroffen habe. 1876 (S. 225) gibt SCHLÜTER an, daß der Epiaster brevis und der Inoceramus cuvieri die Schichten erfülle und die Zone des In. cuvieri charekterisiere. 1928 (S. 352) habe ich selbst auf die Beschränkung der Seeigel auf das Oberturon in den Schächten Barbara und Zollverein XI bei Essen und auf ihre Beziehungen zu den Vorkommen im Harzvorland hingewiesen. Diese Beobachtungen haben sich bei der Besichtigung des Materials aus den Schächten Emscher-Lippe V, Ewald Forts. V, Minister Stein V, (nach Mitteilung des Herrn FALK) Preußen II, König Ludwig VII u. VIII und aus dem Kokerei-Neubau der Zeche Bonifacius durchaus bestätigt. ...