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Die Genesis der Granite, physikochemisch gedeutet.

Vogt, J. H. L.

Kurzfassung

1. Die chemische Zusammensetzung der Granite ergibt, daß dieselben durch eine sehr weitgehende Kristallisationsdifferentiation in der Restmagma-Richtung entstanden sind, und daß die Kali-Natron-Granite mit ungefähr 75% Kieselsäure das Schlußprodukt dieser Differentiation darstellen. 2. In Übereinstimmung hiermit ergibt die Reihe Quarzdiorit-Granodiorit mit Quarzmonzonit-Alkali-Kalk-Granit (mit 68-72% Kieselsäure) -Kali-Natron-Granit (mit ungefähr 75% Kieselsäure) kontinuierlich abnehmende Kristallisationsintervalle (oder abnehmenden Anfang der Kristallisation), und die Kali-Natron-Granite zeigen niedrigere Kristallisationsintervalle als irgendwelche der übrigen verbreiteteren Eruptivgesteine. 3. Innerhalb der comagmatischen Provinzen gehören die Granite der letzten Eruptionsepoche an. Dies steht in Übereinstimmung mit unserer Theorie, welche besagt, daß die granitischen Magmen erst am Schlusse der magmatischen Differentiation gebildet wurden. Auf den anfänglichen und mittleren Stufen der Differentiation existierte überhaupt nie ein granitisches Magma. 4: Als Konsequenz der Theorie, die als sicher fundiert betrachtet werden mag, folgt, daß die Magmen, welche durch die Differentiation in der Restmagma-Richtung gebildet werden - auf den letzteren Stufen die Kalk-Alkali- und noch später die Alkali-Granit-Magmen - sich durchgängig an der oberen Grenze der Kristallisationstemperatur befanden und zwar mit stetiger Abnahme dieser Temperatur. D. h. die Granite sind - unter dem betreffenden Druck und dem betreffenden Gehalt an magmatischem H2O usw. - nie überhitzt gewesen. Ein Alkali-Granit-Magma, sagen wir mit 72-76% Kieselsäure, hat so nie in seiner Existenzperiode eine höhere Temperatur als etwa 1000° aufgewiesen - und jede Hypothese, die eine Überhitzung - oder, wegen Veränderung von Druck und Wassermenge, eine nennenswerte Überhitzung - der granitischen Magmen voraussetzt, muß als verfehlt betrachtet werden.