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Einführende Übersicht zu ERICH HAARMANN'S Oszillationstheorie mit kritischen Bemerkungen.

Bärtling, Richard

Kurzfassung

Nach den vielen wertvollen Anregungen, die die in- und ausländische Literatur zur Frage der Gebirgsbildung in den letzten Jahren gebracht hat, versprach gerade eine Aussprache über diese Fragen besonders fruchtbringend zu werden. Wenn hierbei E. HAARMANN'S Oszillationstheorie in den Vordergrund gerückt wurde, so sollte das aber durchaus keine einseitige Stellungnahme für diese Theorie bedeuten. Der Grund hierfür war lediglich der, daß die Oszillationstheorie die letzte war, die der Wissenschaft zur Diskussion unterbreitet worden ist. Die Aussprache bezweckt, durch freimütigen und objektiven Gedankenaustausch über das Für und Wider so viel wie irgendmöglich zur Klärung dieser Fragen beizutragen und neue Anregungen zu geben. Daß wir durch diese Aussprache zu einem abschließenden Urteil kommen können, kann niemand erwarten. Es ist daher bedauerlich, daß manche Fachgenossen, die besondere Erfahrung auf dem Gebiet der Tektonik haben, sich nicht an der Aussprache beteiligt haben. Nicht rückhaltlose Zustimmung zu einer neuen Theorie bringt uns vorwärts, sondern vielmehr die sachlichen Bedenken und Einwendungen. Gerade diese sind also im vorliegenden Falle besonders wertvoll. In den letzten Jahrzehnten sind Bausteine auf Bausteine zusammengetragen worden, die aber darauf warten, zu einem festen Gebäude zusammengefügt zu werden. Viele dieser Bausteine sind gut und fest, sie erfüllen alle Ansprüche und sind auch in ihrer Form ohne weiteres verwendbar. Manches ist aber auch darunter, das dem Hammer des Erbauers eines großzügigen Bauwerks nicht standzuhalten vermag. Wir können nicht länger in diesem Chaos von Bausteinen hausen. Der Wunsch, diese zu ordnen und zum wenigsten zu einem festen Fundament zusammenzufügen, ist seit Jahren in der Geologie immer lebhafter geworden. Das zeigt ganz besonders auch die überaus große Beteiligung an dem heutigen Abend. Der Vorstand unserer Gesellschaft hat mich beauftragt, zunächst in einem einführenden Bericht das Wesen von E. HAARMANN'S Oszillationstheorie auseinanderzusetzen. Ich werde meine Ausführungen so einrichten, daß ich zunächst diesem Auftrage des Vorstands entspreche und ganz objektiv ohne eigene Kritik das Wesen der Oszillationstheorie darlege. Am Schluß werde ich dann einige eigene Gedanken dazu bringen. ...