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Primäre auf die Erdkruste wirkende Horizontalkräfte.

Barsch, Otto

Kurzfassung

HAARMANN sieht den alleinigen Grund der Primärtektogenese in der Schwere, deren Wirkung sich nur in Auf- und Abwärtsbewegungen der Schollen äußert. Die Kontraktionstheorie, sowie andere primäre Horizontalbewegungen werden absolut abgelehnt. Es will mir scheinen, als ob HAARMANN in seiner Ablehnung etwas zu weit gegangen ist. HAARMANN geht davon aus, daß in früharchäischer Zeit die Erde aus liquidem Magma bestand, auf dem sich dann feste Schollen bildeten; diese sollen dann dahin abgetrieben sein, wo sie zur Ausbalancierung des durch irgendwelche Umstände gestörten Gleichgewichts nötig waren. Es ist mir nicht klar, wie durch die Verlagerung von Schollen eine Ausbalancierung erfolgen könnte. Eine schwimmende Scholle taucht ja so tief in eine Flüssigkeit ein, daß das Gewicht der verdrängten Flüssigkeit gleich dem Gewicht der Scholle selbst ist; wird die Scholle verlagert, so füllt sich die frühere Vertiefung wieder mit der Flüssigkeit (an Gewicht wird also nichts verändert) und die Scholle verdrängt an der anderen Stelle wieder soviel Flüssigkeit, als sie selbst wiegt. An der Schwere wird durch Verlagerung der Scholle also gar nichts verändert, mithin ist auch kein Grund ersichtlich, daß Schollen zur Ausbalancierung des Gleichgewichts verlagert werden. Trotzdem bin ich aber auch der Ansicht, daß die Schollen auf dem liquiden Magma fortbewegt wurden, nur aus einem anderen Grunde: Abgesehen von kosmischen Einflüssen wirken auf die rotierende Erde zwei Kräfte ein, die Massenanziehung und die Zentrifugalkraft. Während die Massenanziehung zum Mittelpunkt der Erde gerichtet ist, wirkt die Zentrifugalkraft nach außen. Von dem Rotationsradius - das ist die Senkrechte auf die Erdachse - ist neben der Umdrehungsgeschwindigkeit und der Masse die Größe der Kraft abhängig. Je nach dem Breitengrad ändert sich der Rotationsradius; er ist am Pol = 0, am Äquator gleich dem großen Halbmesser der Erde. Als Resultierende von Massenanziehung und Zentrifugalkraft ergibt sich die Schwerkraft, die nicht mehr durch den Mittelpunkt der Erde geht, sondern nach dem Äquator hin von diesem abweicht (Lotabweichung). Zerlegt in Komponenten folgt daraus eine Kraft, die zum Mittelpunkt und eine zweite, die tangential vom Pol zum Äquator geht. Diese Komponente ist am Pol 0, erreicht ihr größtes Ausmaß in der mittleren Breite und wird am Äquator wieder 0. Für die auf dem liquiden Magma schwimmenden Schollen bedeutet das, daß die Tendenz bestand, die Schollen von den Polen zum Äquator hin abzutreiben. ...