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Diskussionsbemerkungen zur Oszillationstheorie von E. HAARMANN.

Born, A.

Kurzfassung

Neben den von anderer Seite gemachten Einwänden gegen die Oszillationshypothese von E. HAARMANN sei kurz auf einige weitere mir bedeutsam erscheinende Einwände hingewiesen. HAARMANN unterscheidet Primär- und Sekundär-Tektogenese, eine Unterscheidung, deren Berechtigung anerkannt werden mag. Die tektonische Hauptform der Sekundärtektogenese ist das Bild der abgeglittenen Sedimente. Die Gleitung erfolgt vom Geotumor, der nach der HAARMANN'schen Hypothese demgemäß außerhalb der Faltenzone liegen muß. HAARMANN sieht in diesen Gleitungsbildern einen wesentlichem Beweis für die Oszillationshypothese bzw. für die Existenz der Geotumoren. Nun ist aber Gleitung keineswegs an die Präexistenz von Geotumoren gebunden. Von zahlreichen Forschern, die im Bereich alpiner Deckengebirge gearbeitet haben, ist oft darauf hingewiesen worden, daß gewisse Faltungsbilder am besten durch Gleitungsvorgänge ihre Erklärung finden. So gehört es schon lange zum sicheren Bestand unserer Vorstellungen über die Faltengebirgsbildung durch irgendwelche tangentiale Pressung, daß Gleitungsvorgänge größeren Ausmaßes eintreten können und eingetreten sein müssen. Wenn aber Gleitformen auf verschiedene Weise zustande kommen können, so entfällt zwangsläufig ihre Rolle als Beweismittel allein für Geotumoren. Andere Einwände liegen auf dem Gebiet der Ursachen und Auslösung von Geotumoren und ihrer Verschiebung. HAARMANN sieht eine wesentliche Voraussetzung für die Bildung der Geotumoren einmal in dem ,Eingefrorensein" der Kontinente, d. h. in dem infolge Auskühlung und Erstarrung des Untergrundes verloren gegangenen Vermögen isostatischer Einstellung, dem gegenüber die ozeanischen Gebiete ihre isostatischen Reaktionsvermögen noch besitzen sollen. Eine zweite Voraussetzung der Geotumorbildung sind Wanderungen der Pole und ihrer Abplattung, und dadurch bedingte Verschiebungen und Aufpressungen subkrustaler Massen gegen die Kontinentalschollen. Zum Eingefrorensein der Kontinentalschollen, welcher Zustand seil der Bildung der ersten Faltengebirge überhaupt bestehen soll, ist zu bemerken, daß vom geophysikalischen Standpunkt aus eher das Gegenteil zu erwarten ist: Auskühlung und anisostatisches Verhalten im Bereich der Ozeane und isostatische Mobilität im Bereich der langsamer auskühlenden Kontinentalschollen, wie es auch von HOLMES, JOLY U. a. für ihrer Theorien gefordert wird. ...