Original paper

Zu E. HAARMANN'S Oszillationstheorie (Briefliche Mitteilung an ERICH HAARMANN.)

Daly, Reginald A.

Kurzfassung

Wir stimmen in vielen Punkten überein - und das ist eine Genugtuung Jedoch kann ich Ihnen nicht in dem Gedanken folgen, daß Gleitung von Geosynklinalablagerungen per se genügt, um die Deformationen einer Gebirgszone zu erklären. Haben Sie ein genügendes Schwerepotential, um den Widerstand auch nur der weichsten der mengenmäßig wichtigen Geosynklinalgesteine zu überwinden? Ich bezweifle das sehr entschieden, und deswegen habe ich es vor vielen Jahren abgelehnt, REYER PENCK und anderen in derselben Gedankenrichtung zu folgen. Anders ist es bei einer hochrigiden, aber fast unbegrenzt weichen, nichtkristallinen Krustenunterlage - heißem Glas. Auf einer solchen Substanz mag Gleitung möglich sein, obwohl mein Geotumor in größerem Maßstab als Ihrer gesehen ist. Aber natürlich ist meine eigene Ansicht ein Versuch, und ich bin durchaus bereit, eine andere Auffassung über Tektogenese anzunehmen, wenn sie sich als besser erweist. In vielen Beziehungen schätze ich die Ideen AMPFERER'S und seiner Anhänger. Die Hauptschwierigkeit hierbei ist, sich zu überzeugen, daß tiefgreifende Konvektion möglich ist in einer Erde, deren Kugelschalen nach unten innerlich immer dichter zu werden scheinen (das heißt: unabhängig von der kubischen Kompression der Schalen). Ich hoffe daß Sie Ihre Formulierung der Gleithypothese quantitativer diskutieren werden und zwar in bezug auf a: die angenommenen wirklichen Gefälle und b: die Reibung und den Abflußwiderstand gegen Gleitung. Ferner würden Sie das Studium Ihrer Theorie erleichtern, wenn Sie die Ursache oder die Ursachen von Geotumoren und Geodepressionen ausführlicher begründen würden. Über diesen grundlegenden Punkt ist Ihr Buch nicht genügend deutlich und überzeugend. Nach meiner Ansicht muß eine bedeutende Verlagerung der Erdpole noch bewiesen werden.