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Bemerkungen zur Oszillationstheorie ERICH HAARMANN'S.

van Waterschoot;van Den Gracht, W. A. J. M.

Kurzfassung

Die Vielfältigkeit und der Widerspruch der Theorien über Erdkrusten-Bewegungen welche von befugter, wissenschaftlicher Seite in den letzten Jahrzehnten vorgebracht wurden, sind ein klarer Beweis dafür, daß wir über die primären Ursachen der Deformationen, welche das Antlitz der Erde geschaffen haben (nach der gewählten Terminologie, möchte man fast von dessen Pathologie reden!), noch herzlich wenig im klaren sind. Die alte Kontraktionstheorie, nach der die orogenen Vorgänge auf Gewölbedruck einer, und zwar durch Wärmeverlust schrumpfenden Erde zu weit gewordenen äußeren Kruste zurückzuführen wären, können wir als überholt betrachten. Noch immer aber regt sich der Streit, ob Horizontal- oder Vertikal-Bewegungen als Primär-Tektogenese zu betrachten wären. Verschiedene Kollegen, unter ihnen auch HAARMANN, vertreten die Ansicht, daß die allerdings unleugbaren Horizontalverfrachtungen nur Sekundärerscheinungen von vertikal wirkenden Primärtektogenesen sind. Unter den neueren Theorien dieser Art tritt neben HAARMANN besonders diejenige R. A. DALY'S (Am. Journ. of Science 1923) hervor, nach der ein ursprünglich einheitliches Pangaea von verdickten Sialmassen auf einer ,schmierenden" Unterlage von basaltischem Glas unter Einfluß der Schwere auseinanderglitt. Der ,Groß-Tumor" des Pangaea wäre daher das Primär-Tektogen, alles andere sekundäre Erscheinungen. Auch in einer vor kurzem ausgesprochenen Theorie BAILEY WILLIS'S (Geol. Soc. of America 1929) ist die Rede von oszillierenden Geotumoren (,Asthenolithe"), als Resultat von Magmenintrusionen und von dazwischen liegenden Depressionen: Geosynklinalen. Er nimmt aber auch tangentialen Zusammenschub an. Noch vor wenigen Monaten hat H. JEFFREYS in einem Vortrag vor der geologischen Gesellschaft in London (17. Dezember 1930; Abstracto of Proceedings Nr. 1223), die Ansicht ausgesprochen, daß die bewiesene Horizontalverfrachtung in den großen Gebirgen viel größer ist, als die von ihm theoretisch errechnete, und er glaubt daher, daß diese ein Sekundärphänomen sei: Folge eines Gleitens unter Schwere, so ziemlich analog den Ansichten HAARMANN'S. ...