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Die Oszillationstheorie.

Gregory, J. W.

Kurzfassung

Die Einladung, an der Diskussion teilzunehmen, nehme ich mit Vergnügen an, da sie mir Gelegenheit gibt, HAARMANNS Theorie und seine gewichtigen Gründe dafür willkommen zu heißen, daß die Oberflächenzüge der Erde primär von Vertikaloszillationen der Erdkruste abhängig sind, daß die Krustenbewegungen seiner Primärtektogenese eins lange rhythmische Periodizität haben und daß die Primärbewegungen mit tiefliegendem Krustenfluß in Verbindung stehen. Man wird erwarten, daß jeder Beitrag zur Diskussion des Buchs hauptsächlich die Punkte abweichender Auffassung hervorhebt, denn dadurch, daß man auf die Punkte aufmerksam macht, die einem in einer Theorie als schwach erscheinen, kann die Hauptidee aufs sicherste bestätigt Werden. Zunächst gestehe ich, einer von jenen konservativen Geologen zu sein, die noch der Kontraktion ausschlaggebenden Einfluß auf die Entwicklung der Erde und ihrer Oberflächenzüge zuschreiben. Ich glaube, daß die Kontraktion weniger auf Abkühlung zurückgeht, als vielmehr darauf, daß die Bestandteile der Erde als eine lockere Anhäufung gesammelt wurden, die allmählich dichter gepackt wurde. Ob die Erde aus einem Schwarm herumirrender Meteoriten oder aus Planetesimalen oder durch Verfestigung eines heißen Gases entstanden ist - immer muß nach meiner Ansicht Kontraktion stattgefunden haben. Am wahrscheinlichsten scheint mir, daß die Erde durch Verdichtung einer Anhäufung meteoritischen Materials entstanden ist, das sich durch einen dies ermöglichenden Vorgang zusammengeschlossen hat. Aber bei jeder dieser Möglichkeiten ist die meteorische Masse zunächst verhältnismäßig locker gewesen und erst allmählich mußte sie zu einer kleinern und dichtern Masse zusammengeschweißt werden. Wenn das so ist, so muß die Kruste während des größten Teils der geologischen Zeit zusammengeschoben worden sein. Diese Schlußfolgerung scheint mir durch die Hauptergebnisse der Stratigraphie gestützt zu werden. Die Verteilung und die Störung der Schichtgesteine erscheint nur möglich bei einer sich vorwiegend zusammenziehenden Erdkruste, obwohl dieser Vorgang während der großen orogenetischen Störungen zeitweise unterbrochen gewesen sein mag. ...