Original paper

Zu E. HAARMANN'S Oszillationstheorie.

Grupe, O.

Kurzfassung

Zum Problem der von Herrn HAARMANN bei seiner Theorie in den Vordergrund gestellten vertikalen Bewegungen habe ich selbst erst kürzlich in der Januarsitzung unserer Gesellschaft einen Beitrag geliefert, in dem ich an Hand eines besonders eklatanten Beispiels das fortwährende Auf und Ab der Erdkruste innerhalb eines verhältnismäßig kurzen geologischen Zeitraums zeigen konnte. Es handelt sich um die rund 10 m mächtigen, dem Abbau dienenden Quader des Wealdensandsteins der Bückeberge, die jedesmal zu oberst von einem feinen kohlig-tonigen Besteg abgeschlossen werden, von dem aus zuweilen kohlige Wurzelfasern oder eisengebräunte Wurzelröhren eine jede Sandsteinbank Vertikal durchsetzen und die Autochthonie aller dieser kohligen Schmitzen beweisen. Die bei oberflächlicher Betrachtung zunächst durchaus homogen erscheinende Ablagerung des Wealdensandsteine wurde also in Wirklichkeit durch fortgesetzte Verlandungen unterbrochen und stellt sich als ein aus mindestens ein Dutzend Einzelphasen bestehender Sedimentationszyklus von Sandstein und kohlig-toniger Substanz dar, der zunächst einmal periodische Senkungsvorgänge im Bereiche der sandigen Küstenfazies des Wealdenmeeres voraussetzt. Der geringe Umfang der kohligen Bestege als Überbleibsel der im übrigen normal verwesenden Vegetation sowie die nur seltene Erhaltung der im übrigen durch Verwesung zerstörten Wurzelböden weisen auf der anderen Seite aber auf einen ausgiebigen Zutritt des atmosphärischen Sauerstoffs und damit auf eine gewisse Emporhebung der jeweiligen Sandbank über den Wasserspiegel hin, und in gleichem Sinne lassen sich auch die in einer bestimmten Entfernung von der Oberkante der Sandsteinbänke auftretenden streifenförmigen Brauneisenanreicherungen deuten, die als sogen. Gleihorizont bei entsprechend tiefer Lage des Grundwassers gebildet sein dürften. Wir haben es mit anderen Worten mit einem rhythmischen Wechsel von Senkungs- und Hebungsvorgängen zu tan, von denen die ersteren allerdings die letzteren stets an Ausmaß übertreffen, so daß sich schließlich als Endeffekt eine beträchtlichere Senkung der Sandmassen innerhalb ihres Bildungsraumes ergibt, und das ist ja überhaupt das Kennzeichen unserer Flachwasser- und kontinentalen Sedimente, daß sie, um ihre z. T. großen Mächtigkeiten zu erreichen, in einem vorherrschend sinkenden Raume abgelagert worden sein müssen, wie das ja nun wohl auch allgemein angenommen wird. ...