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Bemerkungen zu HAARMANN'S Oszillationstheorie.

Leuchs, KURT

Kurzfassung

Für die Oszillationstheorie sind Tiefenbewegungen die wesentlichen Vorgänge. Insofern stimmt diese Theorie mit andern Theorien überein, auch mit der Kontraktionstheorie, wie sie heute aufgefaßt wird. Dabei wird infolge des Massenverlustes der subkrustalen Zonen, durch Magmaförderung, Kristallisation, Entgasung, Ausstrahlung und Wärmeabgabe, eine Anpassung an die dadurch entstehende Volumenverringerung nötig. Die Folge davon sind subkrustale Strömungen. Auch durch andere Ursachen, wie Polverlagerungen, werden Massenbewegungen entstehen. Solche Massenverlagerungen müssen die Kruste beeinflussen. Denn diese bleibt ja nicht als freischwebende Gewölbeschale erhalten, wenn die Unterlage nachgibt, sondern paßt sich den jeweils entstehenden Differenzen unmittelbar an. Das zeigt sich in den Oszillationen der Kruste, die zwangsläufige Reaktionen auf die subkrustalen Vorgänge sind. Insofern hat also HAARMANN recht, wenn er die Sekundärtektonik als durch die subkrustalen Bewegungen verursacht von diesen abtrennt. Eine andere Frage - und diese möchte ich hier kurz erörtern - ist aber, ob die eine Art der Sekundärtektonik, die Faltung, ausschließlich auf die Entstehung primärtektonischen Gefälls zurückzuführen ist. Bekanntlich hat REYER schon 1888 die Theorie der Gleitfaltung aufgestellt und die Annahme gemacht, daß die Faltung durch Abgleiten der Schichten von einer gehobenen Zone entsteht. HAARMANN nimmt diese, nicht oder wenigstens nicht in dieser Verallgemeinerung als richtig anerkannte Theorie wieder auf und sucht die für sie nötige Entstehung von Schwellenzonen durch die Bildung von Geotumoren plausibel zu machen. Die weitere unmittelbare Folge dieser Annahme ist dann, daß sich Faltenzonen nur in Geodepressionen bilden, können und die Höhenlage der Tektogene durch spätere Vertikalbewegung erklärt werden muß. Diese Vertikalbewegung könnte aber im Sinne HAARMANN'S nur wieder durch eine Tumorbildung im Gebiete der mit den gefalteten Schichten erfüllten Depression erfolgt sein. Da aber diese Tumorbildung, wie vorhin mit HAARMANN angenommen wurde, ein Abgleiten der Schichten zur Folge hat, müßte logischerweise erwartet werden, daß nun eine neue seitliche Bewegung erfolgt, die rückläufig vor sich geht, also ein Abgleiten der Schichten aus der gehobenen, zum Tumor gewordenen Depression in die neue, an Stelle eines alten Tumors entstandene Depression herbeiführt. ...