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Bemerkungen zur Oszillationstheorie über Diastrophismus

Longwell, CHESTER R.

Kurzfassung

HAARMANNS Gleittheorie fesselt dadurch, daß sie zur Erklärung der gewaltigen Krustendeformationen in den Gebirgszonen eine ziemlich einfache Energiequelle annimmt. Kein Tektoniker ist durch eine Theorie des Diastrophismus befriedigt, welche die deformierenden Kräfte, für welche das Krustengefüge ein so beredtes Zeugnis ist, ignoriert oder leichthin behandelt. Da die Schwerkraft die größte bekannte Kraft in der Erde ist neigen die Geologen im allgemeinen dazu, diese für Faltung und Überschiebung von Gesteinen verantwortlich zu machen, aber wie kann diese Energiequelle Wirkungen hervorbringen, wie wir sie in Gebirgszonen sehen? Nach der Kontraktionstheorie kommen die Krustenbewegungen durch Schrumpfung des Erdinnern zustande. Niemand zweifelt daß dieser angenommene Mechanismus die Kruste in gewisser Weise zu deformieren vermag, aber es ist sehr zweifelhaft, ob er die beobachteten Wirkungen hervorrufen kann. HAARMANN bringt schwerwiegende Einwände gegen die Kontraktionstheorie und seine die Schwerkraft benutzende Theorie ist eine willkommene Anregung. Seit langem habe ich den Eindruck, daß der Zusammenschub und die intensive Faltung in Gebirgen zum großen Teil äußerst oberflächlich ist Viele Beispiele könnten dafür von mehr als einem Kontinent angeführt werden, aber ich werde nur das Gebiet berücksichtigen, das ich 'selbst am besten kenne. In Südnevada sind die paläozoischen und mesozoischen Formationen durch eine Reihe bedeutender flacher Überschiebungen gestört. An einigen von ihnen hat eine horizontale Bewegung von 25 km oder mehr stattgefunden. Ein typisches Beispiel ist die Muddy-Mountain-Überschiebung (Abbildung 1), an welcher frühpaläozoische Dolomite und Kalke in östlicher Richtung über Jurasandstein geschoben sind. Die Wurzel und die ursprüngliche Stirn dieser Überschiebung wurde durch spätere Verwerfungen und Ablagerungen völlig verdeckt, so daß die ganze Ausdehnung der Bewegung unbekannt ist. Soweit jedoch der Schichtenbau aufgeschlossen ist, erscheint dieselbe paläozoische Formation unmittelbar über der Überschiebung, und die Schichten liegen parallel zur Überschiebungsfläche. Ferner erkennt man deutlich, daß die Bewegungsfläche die alte Landoberfläche war, auf welcher die paläozoische Tafel vorwärtsgeschoben wurde, nachdem sie über den jüngeren Teil des Profils aufwärtsgeschert war. ...