Original paper

Die Oszillationstheorie von E. HAARMANN

Muschketow, D.

Kurzfassung

Die Krise der Kontraktionstheorie, jedenfalls ihrer orthodoxen Auffassung, verschärft sich im letzten Dezennium immer bedeutender. Ihre noch dauernde Herrschaft erklärt sich vielmehr nur durch den Mangel einer andern, ganz einwandfreien, Theorie. Es ist selbstverständlich, daß in diesen Zuständen ein tektonisches Revisionsbedürfnis immer überwältigender wird, daß man begierig nach neuen Ideen, oder nach einer Verbesserung und Restauration alter, oder nach allerlei möglichen Kombinationen verschiedener Begriffe, sich umschaut. Es entstehen ganz neue Anschauungen, wie z. B. die Kontinentdrift (die zwar auch schon recht alt ist und schon vor WEGENER ausgesprochen wurde), sowie auch Bemühungen, die darauf hinzielen, wenn schon nicht alle, sondern einige schwache Stellen der Kontraktionslehre zu legitimieren, wie z. B. die Bemühungen von JOLY wenigstens die tektonische Periodizität zu erklären suchen. Auf diesem schweren und undankbaren Wege sich durcharbeitend, befindet sich auch E. HAARMANN, welcher aber viel radikaler als andere die Sache angreift. In dieser, seiner schroffen und bestimmten Art und Weise, mit welcher er die Kontraktion ganz ablehnt und völlig neue Wege einzuschlagen sich entschließt, liegt für ihn eine große Gefahr, aber auch ein großer Vorteil, jedenfalls aber, abgesehen vom Endschicksal seiner Anschauungen, verdienen dieselben besondere Aufmerksamkeit und Interesse. Besonders verdienstvoll ist seine breite, universale Stellung der schweren Aufgabe und rücksichtslose offene Aussprache. Man darf ihn einfach nicht umgehen. Sehr wertvoll ist die negative Seite seines Werks, in dem er allerlei Vorwürfe gegen die Kontraktionslehre zusammenbringt, und besonders weil das von einem Geologen und Bergmann ausgeht, der mit bestimmten geologischen Tatsachen operiert, welche von der Seite physikalischer Kritiker so oft vernachlässigt werden. In dieser negativen Stellungnahme steht er auch gar nicht allein, und um nicht vieles hier zu erörtern, sei nur zum Beispiel an die neueren scharf kritischen Arbeiten von R. RASTALL, E. W. BERRY und CH. R. LONGWELL erinnert. Es ist schon für einen einzelnen nicht mehr möglich, in allen Fällen die Menge des sich immer mehr anhäufenden kritischen Materials zu überblicken, darzustellen und zu erproben, aber wir fühlen, daß dazu die Zeit schon längst gekommen ist, weil wir eigentlich nicht mehr gut weiter arbeiten können. ...