Original paper

Bemerkungen zur Oszillationstheorie HAARMANN'S.

Quiring, H.

Kurzfassung

Die Theorie des Herrn HAARMANN steht und fällt mit ihren beiden Voraussetzungen, der Annahme einer liquiden Magmazone und der Annahme, daß diese Magmazone ,aktiv" genug ist, um durch ,Unterströmungen und Volumschwankungen" ,Oszillationen" der auf ihr schwimmenden Rinde hervorzurufen. Von der Liquidität der Magmazone hängt letzten Endes auch das Gefälle zwischen den Geoantiklinalen und Geodepressionen ab, das ein Zusammenrutschen der Sedimente zur Folge haben soll. Den Beweis für die Gültigkeit der beiden Voraussetzungen ist Herr HAARMANN schuldig geblieben. Ferner darf ich darauf hinweisen, daß die Richtigkeit der Kontraktionstheorie deshalb bestritten wird, weil geophysikalische Untersuchungen das Vorhandensein einer liquiden Magmazone unwahrscheinlich gemacht haben. Wenn nun Herr HAARMANN diese liquide Magmazone Wiederaufleben läßt, so beseitigt er selbst den Haupteinwand gegen die Kontraktionstheorie, so daß ich nicht verstehe, weshalb er die Kontraktionstheorie lächerlich zu machen sucht. Ist das liquide Magma wirklich im Untergrund vorhanden, so ist die stärkere Zusammenziehung, das Schwinden des Kerns und der Magmaschicht in Anbetracht der geologisch nachweisbaren zunehmenden Erkaltung der Erde gar nicht zu bestreiten. Dann sind aber die ,Tumoren" und ,Geodepressionen" HAARMANN'S nichts anderes als die ,Runzeln des Apfels", die Geoantiklinalen und Geosynklinalen der Kontraktionslehre. Die ,Sekundärtektogenese" HAARMANN'S ist eine Mischung der Gleitfaltung REYER'S und der Trogfaltung LEHMANN'S. ES ist zu bedauern, daß HAARMANN die mechanisch klaren Ideen LEHMANN'S nicht einfach übernommen hat. LEHMANN hat 1919 die nur in Sonderfällen (z. B. beim Fließen von Eis, Salz, Schlamm) gültigen Ansichten REYER'S beiseite gelassen und hat zur Deutung der Faltung im Trog Erklärungen herangezogen, die ich 1913 geäußert habe. Ich stellte damals in einer Arbeit über die Entstehung der Schollengebirge fest, daß bei einer Einbiegung der Erdrinde (Bildung einer Geosynklinale) Pressungsspannungen und Faltungen entstehen, daß anderseits bei einer Aufwölbung (Bildung einer Geoantiklinale) korrelate Zerrungen und Bruchzergliederungen erfolgen. ...