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Bemerkungen zu E. HAARMANNS Oszillationstheorie.

Schuchert, CHARLES

Kurzfassung

Zunächst beabsichtigte ich nicht, an der Diskussion über die Oszillationstheorie teilzunehmen, da ich als Paläontologe in den Theorien, wie und warum sich die Gebirge unserer Erde gebildet haben, nicht sehr bewandert bin. In Beantwortung von Herrn BÄRTLING'S Brief vom 27. Januar jedoch will ich einige Bemerkungen zu der Theorie geben, aber nur in allgemeinen Zügen und vom Standpunkt der Stratigraphie, der Faunenverteilung und der Paläogeographie. Zunächst sehe ich keine Notwendigkeit, die Theorie der Erdschrumpfung beiseite zu legen. Sicherlich ist sie nicht die einzige Ursache der Gebirgsbildung, aber doch komme ich nicht von der Schlußfolgerung ab, daß sie eine der primären Ursachen ist. Daß die Erde schrumpft, ist mir bewiesen durch die unregelmäßige Periodizität des Diastrophismus - die Störungen - auf denen unsere geologische Zeiteinteilung begründet ist. Ich beziehe mich hier auf die Zeiten geringerer wiederholter Gebirgsbildung und die wiederholte Transgression der Kontinente durch Meerwasser. Aber es gibt auch gelegentlich Zeiten bedeutenderer Krustenbewegungen - die Revolutionen - wenn alle Kontinente hoch liegen und die Ozeane sie am wenigsten überfluten - Bedingungen, die viel länger andauern als die der Störungen. Man denke an die unendlich lange Zeit mit hochliegenden Kontinenten und der Abwesenheit weitverbreiteter Meeressedimente zwischen dem Proterozoikum und Cambrium, zwischen dem älteren Perm und der Obertrias und zwischen der Mittleren Kreide und dem Miozän. Was verursacht den Groß-Diastrophismus? Kaum ist es die normal fortgesetzte Erdschrumpfung; seit einiger Zeit denke ich an eine kosmische Ursache. Die Astronomen berichten uns, daß die Sonne - ebenso wie alle Sterne und Inseluniversa - in Bewegung sind, und daraus folgt, daß die Sternanziehung ständig wechselt. Die große Unregelmäßigkeit der Revolutionen kann nicht allein von der normalen Erdschrumpfung verursacht werden, mag aber zurückgehen auf hinzukommende Wechsel der Erdform (Sternanziehung), wie es aus den Zeitabschnitten hervorzugehen scheint, welche zwischen den Revolutionen liegen. ...