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Wölbung, Randspaltung und Randwachsen von Schildteilen. (Bemerkung in der Aussprache über E. HAARMANN'S Oszillationstheorie)

Seidl, E.

Kurzfassung

Vom Standpunkt des Formen- und Struktur-Prinzips ausgehend, das ich ausgearbeitet habe, vermag ich zu einigen wesentlichen Punkten der Oszillationstheorie folgendermaßen Stellung zu nehmen: 1. Liegen die Verhältnisse so wie beim skandinavischen Schildteil, Grundriß, Abb. 1, oder wie beim südafrikanischen, von der Karru-Formation eingenommenen Schildteil, Grundriß, Abb. 3, dann ergibt sich ein Spannungsbild, das ,Oszillation" als vorherrschende Ursache der tektonischen und magmatischen Erscheinungen wahrscheinlich macht. Es lassen sich dann der Beurteilung rechteckige Eisenbeton-Platten (konvexe Oberfläche, Abb. 2 a, b, c) zugrunde legen, die unter Belastung, über die ganze Oberfläche schwach durchgebogen wurden. a) Der skandinavische Schildteil ist seiner Großform nach eine Kuppel, deren konvexe Seite zutage liegt. Die Höhenkurven der geologischen Karte, Abb. 1, die tektonisch bedingt und nur untergeordnet durch Erosion beeinflußt sind, weisen entsprechend dem Höhenkurven-Bild der Eisenbeton-Platte Bild 2a auf eine Biege-Beanspruchung eines Körpers von rechteckiger Form oder Einspannung. - Die Abbildung 2b zeigt die Anordnung des Netzes von Rissen, das im Beton der konvexen Seite einer solchen Eisenbeton-Platte entsteht, für den Anfang der Durchbiegung und Abb. 2c das gleiche kurz vor dem völligen Zerbrechen der Betonmasse, die durch die - weniger elastische, aber bildsamere - eiserne Bewehrung zusammengehalten wird. Man sieht das Bestreben, einen Längsspalt zu bilden, von dem Gabelungen nach den vier Ecken abzweigen. In dem skandinavischen Schildteil sehe ich als einen derartigen Längsspalt die bisher sogenannte ,Große caledonische Überschiebung" an, und deren von dem sogenannten ,Oslo-Graben" gebildete Abzweigung, die ich dank der liebenswürdigen Einführung einiger Osloer Herren Kollegen 1928 eingehend studieren konnte. Die Auffassung als Zerreiß-Zone bedeutet in diesem Falle, wie aus meinem Querschnitt durch die ,Große caledonische Überschiebung" hervorgeht, folgendes: Das ,Urgebirge" ist zerrissen, in die Lücke sind von unten die ,caledonischen" Gesteinsmassen eingepreßt (untere ,Ausgleichs-Massen"), während von oben her die alten und jüngeren Sedimente (obere ,Ausgleichs - Massen") - über einer mächtigen Lage schmierender Silur-Schichten an der Basis - in den Spalt hinabgeglitten sind (indem sie sich dabei zum Teil zu ,Gneis" verformten) und dort vielfach gefaltet wurden. ...