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Drei Probleme diluvialgeologischer Morphologie.

Passarge, S.

Kurzfassung

Im Nachfolgenden seien drei Fragen behandelt, die m. E. für die Erkenntnis der Diluvialerscheinungen im norddeutschen Flachland von Bedeutung sein dürften. I. Das Problem der Solifluktion: Nachdem G. ANDERSSON (1906) auf die Solifluktion hingewiesen hatte, die er auf der Bäreninsel beobachtet hatte, und die hauptsächlich in breiigem Fließen bestehen sollte, trat HÖGBOM (1914) für ein langsames Erdtließen ein, das sich auch in nicht breiigem Zustand unter dem Einfluß des Frostes vollziehen sollte. Für ANDERSSON'S Solifluktion gebrauchte er den Ausdruck ,breiige Fließerde". Bereits 1913 wurde auf die entscheidende Bedeutung der Solifluktion für die Formengebung in Thüringen hingewiesen und Erdfließen entsprechend der ANDERSSON'schen Solifluktion angenommen. Gemäß der Auffassung von HÖGBOM glaubte ich später von Frostschub sprechen zu dürfen. In dem Band III der Grundlagen der Landschaftskunde, S. 188 ff., wurde wohl zum ersten Male das Verhältnis zwischen breiigem Fließen und Frostschub landschaftskundlich zu fassen versucht: In ozeanischen Gebieten mit hohen Niederschlägen und starkem Aufweichen des Bodens könnte in erster Linie Breifließen, dagegen in niederschlagsarmen, klimatisch kontinentalen Gebieten Frostschub wirksam sein. Machen wir uns zunächst einmal die Verschiedenheit der Benennung klar. Als gemeinsamer Obertitel sei gewählt: Polare Bodenversetzungen: ANDERSSON'S Solifluktion ist = HÖGBOM'S ,Breiige Fließerde" oder ,Breifließen" = PASSARGE'S ,Erdfließen". Bei HÖGBOM sind Solifluktion und Erdfließen identisch und = PASSARGE'S ,Frostschub" und ,polarem Bodenschub". Das Wort ,Frostschub" ist vielleicht weniger geeignet als der letztere Ausdruck, weil es eine hypothetische Vorstellung enthält. Wie in Heft 2 der Vgl. Landschaftskunde ausgeführt worden ist, hat man im Bereich der polaren Kältesteppen zu unterscheiden die Tandren und die Subpolaren Wiesenländer. Erstere besitzen wegen der kalten Winter Dauerfrostboden und im Sommer eine Auftauschicht, die im allgemeinen 1/2-1 m zu betragen scheint. In den Subpolaren Wiesenländern dagegen sind die Winter milde, und es fehlt ein Dauerfrostboden. ...