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Geomorphologie des mittelschlesischen Inselberglandes.

Gellert, Johannes F.

Kurzfassung

Zwischen der Oderebene in der Umgebung von Breslau und den Gebirgszügen der Sudeten, die längs einer scharf im Gelände markierten Verwerfung, längs des sudetischen Randbruches, mauergleich zu ihrem Vorland abfallen, dehnt sich eine Landschaft aus, in der Oberflächenformen verschiedener Art und Entstehung nebeneinander auftreten, und ihr dadurch ein mannigfaltiges Gepräge verleihen. Ihre geomorphologische Struktur ist am besten auf den geologischen Übersichtskarten zu erkennen und wird charakterisiert durch das regellose und verstreute Auftauchen von Grundgebirgsinseln aus einer zusammenhängenden Decke von tertiären und quartären Ablagerungen. Gegenüber den Gebieten dieser jungen Sedimente heben sich die Grundgebirgsinseln als Hügel und Berge orographisch ab. Es sind das die Inselberge und Inselberggruppen, die der Landschaft den Charakter und Namen gegeben haben. Als bedeutendster dieser Inselberge sei schon hier der Zobten genannt, dessen Silhouette weithin das Landschaftsbild beherrscht. Diese Inselberglandschaft erstreckt sich am Fuße der Sudeten aus der Umgebung von Jauer im NW bis zum Rummelsberg bei Strehlen im O und gegen S bis an den Fuß des Reichensteiner Gebirges, wo sie bei Weidenau auf bereits tschechischem Staatsgebiet ohne trennende Störung in das Gebirge übergeht. Außer dem Zobten gehören ihr an: die Jenkauer und Striegauer Berge, die Gruppe des Költschen- und Geiersberges, das Lauterbach - Langenbielauer Bergland um Reichenbach, die Nimptscher Berge, das Bergland von Stolz, die Gruppe des Hartheberges bei Frankenstein, die Höhen am Neißetal östlich Camenz und der Rummelsberg bei Strehlen. Der Kern der Landschaft liegt zwischen Zobten, Reichenbach und Frankenstein im Regierungsbezirk Breslau, nur im NW und SO greift sie etwas über die Grenzen hinaus. Es dürfte also gestattet sein, von einem mittelschlesischen Inselbergland zu sprechen. In den Inselbergen kommt das Grundgebirge zutage, das mit wenigen Ausnahmen aus kristallinen Gesteinen besteht. Nur die Jenkauer Hügel und ein Teil der Landschaft zwischen Nimptsch und Frankenstein wird aus altpaläozoischen, z. T. metamorphen Sedimenten, meist Grauwacken und Schiefern, aufgebaut. Unter den kristallinen Gesteinen besitzen die verschiedenartigen Gneise vor allem zwischen Schweidnitz, Frankenstein und Strehlen die weiteste Verbreitung.