Original paper

Umstrittene Bedingungen für Entstehung und Ausbildung des Salzgitterer Eisenerzhorizontes.

Scheibe, E. A.

Kurzfassung

Die Eisenindustrie war nach dem Kriege gezwungen, sich eine neue Rohstoffbasis zu schaffen, und diese Notlage wurde der Anlaß zu reger Bohr- und Schürftätigkeit in einem Gebiet, das bis dahin naturgemäß vernachlässigt worden war, solange man über bessere und günstiger gelegene Erze verfügte. Die Verbreitung und Ausbildung des Salzgitterer Eisenerzhorizontes kannte man vorher (Erläuterungen Bl. Salzgitter von H. SCHROEDER, 1912) nur nach den kilometerlangen Ausstrichen auf beiden Flanken des Höhenzuges (s. Abb. 1); wie stand es aber mit dem Aushalten nach der Teufe zu, von welchen Gesetzen waren die Anschwellungen und Vertaubungen abhängig, hatte man irgendwo eine kalkige Fazies zu erwarten, ließen sich die Erze den Frachtkosten entsprechend anreichern und andere Fragen mehr. Der letzte Punkt (Transport) spielte natürlich für die Ilseder Hütte eine weniger wichtige Rolle als für die die frachtlich stark benachteiligten westfälischen Betriebe. Hand in Hand mit den zahlreichen Aufschlußarbeiten ging die geologische Untersuchung, deren Ergebnisse in einer Reihe von ziemlich gleichzeitig erschienenen Arbeiten von WEIGELT, SCHEIBE, KAUENHOWEN, SCHNEIDERHÖHN, DAHLGRÜN, U. a. ihren Niederschlag fanden. Wer unbefangen an die Auswertung dieser Ergebnisse herangeht, muß feststellen, daß eine Anzahl wichtiger Grundfragen noch nicht oder erst teilweise gelöst ist, denn sonst könnten die Meinungen darüber unmöglich derart geteilt sein. Hier kann nicht der ganze Fragenkomplex aufgerollt werden, nur einige der wichtigsten und umstrittensten Punkte sollen herangezogen werden, soweit sie von Einfluß auf die Ausnutzung der Erzvorkommen sind. 1. War die kimmerische Faltenlandschaft im Gebiet des heutigen Salzgitterschen Höhenzuges in herzynischer oder in nordöstlicher Richtung angelegt? 2. Handelt es sich bei dem Neokom-Erz um terrestren Verwitterungsschutt der Juraformation, den das ingredierende Neokom-Meer nur umlagerte, oder beruht die Freilegung der Geoden und späteren Brauneisengerölle auf der Brandungstätigkeit des vorrückenden Neokom-Meeres, oder endlich wurde das Geröllerz restlos vom damaligen Festland durch Flüsse und Bäche ins Meer gebracht? ...