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Das Vorkommen der Eisenoxyde in der Natur.

Harrassowitz, Hermann

Kurzfassung

Einführung: Mehr und mehr bricht sich die Vorstellung Bahn, daß aus dem uns vorliegenden Charakter eines Gesteines nicht ohne weiteres auf ursprüngliches Gefüge und ursprünglichen Mineralbestand geschlossen werden darf. Am ehesten wurde diese Erkenntnis bei kristallinen Schiefern gewonnen, als man merkte, daß sie keineswegs Urgesteine, sondern Umwandlungsprodukte anderer Gesteine sind, gebildet unter hochtemperierten statischen oder kinetischen Umständen. Ein ähnlicher Zusammenhang wurde auch frühzeitig für die Reihe der Humusgesteine von Torf über Braunkohle-Steinkohle bis zum Anthrazit erkannt. Noch nicht allzu lange ist es her, daß man bei Zechsteinsalzen feststellte, daß sie keineswegs protogene Bildungen darstellen, sondern wesentlich unter Einfluß von Temperatur und Überlagerung einen sekundären Charakter angenommen haben. Für die auf Kalk liegenden Allite konnte HARRASSOWITZ vor kurzem wahrscheinlich machen, daß sie erst nachträglich aus siallitischen Roterden kinetisch umgebildet sind (12) (s. u.). Bei verschiedensten Erzlagerstätten, insbesondere von Sulfiden, mehren sich die Stimmen, daß bei ihnen weitgehende Umwandlungen stattgefunden haben, die den primären Charakter vollständig verdecken können. Wir werden daher gegenwärtig bei jeder Lagerstätte zu prüfen haben, wie weit sie Umwandlungserscheinungen erlitten hat. Besonders wichtig ist dies bei Lagerstätten, die sich an der Erdoberfläche gebildet haben. Wenn sie in die Tiefe absinken, wird schon bei wenig verfestigten Sedimenten der Mineralbestand umgebildet, was bei stärkerer Verfestigung, wie etwa von Schieferton zu Tonschiefer, besonders bemerkbar wird. (1). Von HARRASSOWITZ (2) ist diese Umwandlung - sowohl statischer als auch kinetischer Art - als Anchimetamorphose bezeichnet worden. Ihr folgt bei stärkerer Inanspruchnahme die echte Metamorphose. Wenn es auch manchmal schwer fallen wird zu entscheiden, was man im einzelnen Falle als Verwiterung, Anchimetamorphose oder Metamorphose bezeichnen soll da naturgemäß Übergänge eintreten, wird man doch grundsätzlich diese Grenze immer ziehen können. Freilich ist dabei zu beachten, daß das Schicksal irgendeines Gesteines oder einer Lagerstätte oft ein sehr verwickeltes sein kann. Absinken und Aufsteigen können mehrfach und zu beliebigen Tiefen wechseln. ...