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Die Bildungsgeschichte des oberen Buntsandsteins Südwestdeutschlands im Lichte der Paläontologie.

Frentzen, Kurt

Kurzfassung

Aus den Fossilfunden lassen sich folgende Schlüsse auf die Bildungsweise des oberen Buntsandsteins Südwestdeutschlands ziehen: 1. Der obere Buntsandstein Südwestdeutschlands ist eine in der Hauptsache terrestrische Bildung. 2. Das Ablagerungsbereich des oberen Buntsandsteins Südwestdeutschlands war eine weithin flache, nur wenig über das Niveau des Binnenmeeres im Thüringer Becken aufragende Ebene. Erhebungen persistierten lange Zeit im Bereiche des Südteiles des heutigen Schwarzwaldes. Randliche Erhebungen waren ferner im Bereiche der durch die Muschelsandsteine des unteren Muschelkalkes als spätere Strandzone gekennzeichneten Gebiete links des Rheins vorhanden. 3. Das Tier- und Pflanzenleben war in der Hauptsache an die Hochgebiete und an die Grenzzonen zwischen Abtragungs- und Ablagerungsbereich gebunden; das Buntsandsteinflachland trug mehr oder weniger ausgesprochen wüstenhaftes Gepräge. 4. Temporäre Niederschläge und aus den Randgebieten der Ebene zustromende, von gelegentlich auftretenden, wolkenbruchartigen Niederschlägen gespeiste Wasser breiteten sich vielfach flächenhaft in der Ebene aus und setzten deren tiefere Stellen oftmals für kurze Zeit weithin unter flache Wasserbedeckung. (Bildungszeiten der Fährtenhorizonte, der Estherien-führenden Tonlagen, der Equisetites-Reste und Lagen mit Koniferenzölzertrümmern des rechtsrheinischen Plattensandsteins.) Gelegentlich trugen die Überschwemmungen den Charakter von Katastrophen. (Entstehung des Mastodonsaurus-Leichenteldes von Kappel, der Pflanzenanhäufungen von Grünwettersbach und Kappel.) 5. Mariner Einfluß läßt sich mehrfach nachweisen, ist aber im ganzen genommen gering, wie sich aus der vergleichsweise geringen Mächtigkeit der marinen Einschaltungen ergibt. Wiederholte, aber zeitlich begrenzte Transgressionen des von Nordost oder Norden vorstoßenden Binnenmeeres des Thüringer Beckens führten zur Bildung geringmächtiger Sedimente mit kummerlicher mariner oder marin beeinflußter Fauna. (Bildungszeiten der Arenicoloides-Horizonte, der Myophorienbank der Röttone und deren Äquivalente im elsässischen Voltziensandstein.) Die Transgressionen haben zweifellos wesentlich dazu beigetragen, daß die von den randlichen Erhebungen der Buntsandsteinebene zugeführten Schuttmassen aufgearbeitet und flächenhaft in mehr oder weniger deutlichen Schichten ausgebreitet wurden. 6. Zur Bildungszeit der oberen Partien des Voltziensandsteins im Elsaß und in der bayrischen Rheinpfalz führten zeitweilig stärkere Niederschläge zur Bildung zahlreicher flacher, temporärer Tümpel und Seen, in denen die pflanzenführenden und die Mehrzahl der die Crustaceen einschließenden Schiefertone abgelagert wurden. 7. Mariner Einfluß tritt gegen Ende der Buntsandsteinzeit auch im Westen des Ablagerungsgebietes immer stärker hervor. Oszilierende Transgressionen führten hier zu einer mehrfachen Verzahnung der terrestrischen Buntsandstein- und der marinen Muschelkalkfazies. (Bildungszeit der Muschelsandsteine von Bubenhausen.) Zur Bildungszeit der Crinoidenreste führenden Grenzschichten des unteren Muschelkalkes hat das Meer I endgültig Besitz von dem einstigen Buntsandsteinfestland ergriffen.