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Lößbildung und Lößschnecken.

Brockmeier, Heinr.

Kurzfassung

Die große Bedeutung der Schnecken und Muscheln für den Geologen wird allgemein anerkannt, aber auffallend ist es, daß ihre Würdigung und Auswertung bei der Beurteilung der jüngsten Schichten sehr viel zu wünschen übrig läßt. Leicht ist einzusehen, daß in diesem besonderen Falle ein eingehendes Studium der lebenden Mollusken, die wir ja in den jungen Ablagerungen wieder antreffen, uns wertvolle Fingerzeige zu geben vermag. Als Beispiel greife ich die 1916 erschienene Arbeit von O. GRUPE über den Weserlöß heraus, die nur (S. 147) die kurze Bemerkung über Lößschnecken enthält: ,Fossilführend ist der Löß äußerst selten. Nur in der Gegend von Höxter wurden bisweilen die typischen Lößschnecken beobachtet". Eine genaue Beschreibung des Fundplatzes innerhalb des Tales wäre für den Fernerstehenden sehr erwünscht gewesen. Warum sind weite Lößgebiete schneckenfrei? Warum sind an anderen Stellen die Schnecken massenhaft vertreten? Warum ist Succinea oblonga in Löß so häufig und jetzt so selten? An feuchten Stellen leben Carychium minimum und Hyalina nitida; die Wohnplätze dieser Schnecken konnten vorzüglich Lößstaub festhalten. Warum sind diese Schnecken im Löß so selten? Solche und ähnliche Fragen werden gar nicht aufgeworfen und erst recht nicht beantwortet. Den Weserlöß habe ich nicht untersucht, aber auf Grund meiner 50-jährigen Erfahrungen kann ich mit Sicherheit voraussagen, daß bei einer sorgfältigen Nachprüfung mehr als die üblichen drei Lößschnecken zu finden sein werden, denn das Gebirge, ganz besonders aber das Kalkgebirge, pflegt reich an Landschnecken zu sein, die dort auch während der Trockenzeiten geschützte Schlupfwinkel vorfinden. Im Löß dieser Gegenden muß das zum Ausdruck kommen. Wann bildete sich der Löß?: Die im Löß vertretenen Schneckenarten und ihre Ausbildung weisen auf sonnige Zwischeneiszeit hin. Gleichmäßig über die warme Jahreszeit verteilte Niederschläge begünstigen, wenn sonst keine Hemmungen vorhanden sind, das Größenwachstum der Landschnecken. Sonnenschein, der in der Hauptsache nur von Gewitterregen auf kurze Zeit unterbrochen wird, liefert Zwergformen.