Original paper

Der gegenwärtige Stand meiner Untersuchungen an den Primatenresten aus den ,Elsenzschichten" (nom. nov.) um Heidelberg, insbesondere über Skeletteile gigantischer Primaten.

Freudenberg, W.

Kurzfassung

Die Aufsammlungen des Verfassers erstrecken sich zurück bis ca. 1890 im Diluvialgebiet um Weinheim und Heidelberg. Seit SCHÖTENSACKS Mandibelfund wurde erhöhte Aufmerksamkeit möglichen Überresten des Homo Heidelbergensis zugewendet. Das Resultat war eine Anzahl Knochenfragmente aus den Schottern von Bammenthal, auf die u. a. die Gattung Hemianthropus begründet wurde, von der H. F. OSBORN in Natural History (New York 1930) aussagt, es stehe noch nicht fest, ob sie nicht mit Homo heidelbergensis identisch sei. Um so wichtiger ist die Fundschicht, die in Bammenthal ansteht als ein glazialer, grauer Schotter von ca. 5 m Mächtigkeit, oft zu mächtigen Nagelfluhfelsen verbacken, mit einem primigenius-ähnlichen Elephas trogontherii und einem sehr großen Steppen-etruscus, in höchster Lage, das sich in Mauer (Karlsruher Schädel) über der Lehmbank fand. Sonst fand sich im Schotter Steppenschaf und ein großes Reh, ähnlich dem ungarischen, und in der 17-m-Schotterlage, dem Hangenden, ein maralähnlicher Hirsch. Elephas antiquus erscheint darüber in feinen Sanden und in ebensolchen Sanden darunter. Dies ist das Niveau der unteren Sande von Mauer. Ein Skapularest einer großen Menschenform aus erst interglazialem Antiquussande von Bammenthal wurde darum auf den Heidelberger bezogen, auf ihn vielleicht auch eine relativ flache Femurdiaphyse, verschieden von der ,Euanthropus" genannten, der paläontologischen Gesellschaft zu Stuttgart ' vorgelegten Form, und ebenso verschieden von der Femurdiaphyse des schimpansenähnlich gedrungenen, doch anscheinend langarmigen Hemianthropus. Vom ,Heidelberger" besitze ich sonst nur die oberen Gelenkteile eines Sprungbeins aus Mauer, wo auch der erste Anthropoidenrest, das Metapodium des Riesenprimaten, in tiefsten Schichten zutage kam. Hierher zu stellen sind noch einige Oberarmreste von Bammenthal und vielleicht ein Beckenrest von Weinheim an der Bergstraße. Ein Rekonstruktionsversuch der Weinheimer Beckenreste wurde an W. K. GREGORY von der Columbia University gesandt, der darin vorbehaltlich einer Untersuchung des Originals einen riesigen Primaten erblickte.