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Variszische Züge der Schwereverteilung im Gebirgsbau Südwest- und Mitteldeutschlands.

Herrmann, Rudolf

Kurzfassung

I. Das Problem der latenten Schwereüberscküsse: Die grundsätzlichen Untersuchungen KOSSMAT'S (1921 a, b) über die Beziehungen zwischen der Schwereverteilung und dem; geologischen Bau Mittel- und Südeuropas haben zwei Arten der Schwereverteilung kennen gelehrt, die mit den beiden aus diesem Gebiet abgeleiteten Grundformen des Gebirgsbaues eindeutig verknüpft sind. In der Geoidfläche ist die Schwere, wie sie nach BOUGUER errechnet wird, in den mediterranen Kettengebirgen, so z. B. den Alpen, nach einem ganz anderen Plan angeordnet als im außeralpinen Mitteleuropa. Wir sind daher berechtigt, entsprechend den von STILLE eingeführten Bezeichnungen der beiden tektonischen Grundformen, auch von alpinotyper und germanotyper Form der Schwereverteilung zu reden. Die alpinotype Form der Schwereverteilung zeigt ein beträchtliches geoidales Schweredefizit im Raum des Faltengebirges und einen auf der Faltungsrückseite gelegenen geoidalen Schwereüberschuß, der sich im Fall von typischen einseitigen Deckengebirgen, wie den Westalpen, an die Wurzelzone anschließt (HEIM 1916, 1919) oder auch die großen Innensenken des Orogens erfüllt, die als Zwischengebirge oder Zwischenland (STILLE 1927, S. 8) bezeichnet worden sind, wie z. B. das pannonische Becken. Im Gegensatz zu dieser Form der Schwere Verteilung herrscht im germanotypen Gebirgsbau ein Schwerebild, wo im allgemeinen der Schwerewert einer Scholle durch ihre tektonische Höhenlage bestimmt wird: Aufwölbungen und Horstschollen, wie z. B. Vogesen, Frankenwald-Vogtland und Harz, erscheinen als Gebiete geoidaler Massenüberschüsse, während Gräben und tiefgelegene Schollen, wie der Oberrheingraben und die subherzynische Mulde, mit geringer Schwere oder schwachen geoidalen Defiziten versehen sind. Wie bereits WILHELM (1928, S. 33) hervorhob, fügt also die Schweremessung den tektonischen Begriffen ,alpinotyp" und ,germanotyp" ein geophysikalisches Merkmal hinzu; die Grundformen des Gebirgsbaues sind danach mit bestimmten Eigenschaften der Schwere ebenso ausgestattet wie mit bestimmten Typen der magmatischen Gesteine und, worauf BRAUN (1928, 1930) neuerdings hingewiesen hat, mit gesetzmäßigen morphologischen Erscheinungen. ...