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Zerreißungsspalten in Gosaukonfflomeraten bei Reichenhall.

Maier, Wilhelm

Kurzfassung

Unweit Bad Reichenhall, am nordöstlichen Sporn des Mülluerberges in 680 in Höhe (gemäß Karte 1:25 000, 100 m nördlich Sattelpunkt 715), woselbst der Pfad sich zum Kugelbach-Wirtshaus und zum Elektrizitätswerk Reichenhall gabelt, ist im Wald eine seltsame Spaltenbildung der dort lagernden Gosau zu beobachten. Auf einem rund 10° nach NNW geneigtem Gelände, im Ausmaß von 10 m Länge und 8 m Breite nach NNW, streichen acht Spaltenzüge in nordöstlicher Richtung quer zum Berghang durch Gosaukonglomerate, die nach rückwärts mit einer mehrere Meier hohen steilen Dachsteinkalkwand verzahnt sind. Der Gesamteindruck ist verblüffend dem von Gletscherspalten ähnlich, denn die Spalten stufen sich talabwärts, die Leisten zwischen den Spalten sind eben und deren Kanten nur schwach gerundet; zudem sind die Spaltenwände etwas talwärts übergeneigt und seitlich keilen die Spalten an den trennenden Brücken sehr spitz aus, als ob Zerreißungen vorlägen. Ihrer Gesteinsbeschaffenheit nach zeigt hier die Gosau lokalen Charakter, sie besieht im Gegensatz zu der benachbarten, am Staufen liegenden Gosau nur aus Dachsteinkalk mit etwas brekziösem Charakter, wie ein Grundkonglomerat. Durchmesser der Trümmer rund 5 cm. (Taf. 4 Fig. 1.) Das benachbarte Gelände wurde nach ähnlichen Erscheinungen ohne Erfolg abgesucht. Erosionserscheinungen zeigten sich hier in der Gosau in nur zerhackten, talwärts geneigten unbedeutenden Rillen. Karvenbildung läßt sich zur Erklärung des Phänomens nicht heranziehen, denn Karren streichen im Gefälle des Hanges, die Rippen sind mehr zugeschärft und die Umgebung müßte diese Erscheinung gleicherweise zeigen. Zu erwägen wäre präglaziale Karrenbildung und Abschrammung der Rippen durch Glazialeorosion. Tatsächlich ist das Gelände durch Gletscher überschritten worden, zentralalpine Gerölle zeugen dafür, doch müßte sich das Phänomen in der Umgebung alsdann wiederholen, und in den Spalten liegen, soweit dies feststellbar ist, keine Moränenschotter. Die Spalten liegen mit über 1 m Tiefe offen da, ihre Wandungen sind etwas rauher als die Oberflächen der Rippen, die auffällig glatt sind, so daß man die anhaftenden Moospolster in großen Fetzen leicht abziehen kann. Demgemäß bleibt nur die Möglichkeit, daß die mutmaßlich glazial geschrammten Gosaukonglomerate, an denen übrigens durchgehende Schrammrillen nicht wahrzunehmen sind, lokal so auf Zug beansprucht wurden, daß sie unter Bildung von Zerreißungsspalten gewissermaßen ins Fließen kamen. ...