Original paper

Über Schichtaufrichtungen an Klüften

Lotze, Franz

Kurzfassung

Bei den sich häufiger findenden Schichtaufrichtungen entlang Klüften in der Nähe der Erdoberfläche handelt es sich um einen Erscheinungskomplex, dessen Einzelfälle recht verschiedenartig bedingt sein können. Nach den Entstehungsursachen lassen sich drei Gruppen unterscheiden: 1. Schichtkrümmungen durch Zugkräfte, 2. Kluftfaltungen durch von den Klüften ausgehende Druckkräfte, 3. Kluftfaltungen durch nicht von den Klüften ausgehende Druckkräfte. Zur ersten Gruppe gehören die Krümmungen der Polygone eintrocknender Tonabsätze in Pfützen und auch wohl die von KRAUS als analoge Bildungen aufgefaßten Schichtkrümmungen in diluvialen Bändertonen Ostpreußens und Finnlands. Zu der zweiten sind Wirkungen des Spaltenfrostes, Wirkungen von ,Eiskeilen" zu stellen. Entsprechende Bildungen dürften wohl auch verschiedene der von KEILHACK beschriebenen ,Stiche" sein, und eine den ,Eiskeilen" analoge Erscheinung scheint in ,Lehmkeilen" vorzuliegen, die in Keupertonen bei Friedland südlich Göttingen zu beobachten sind; von Klüften ausgehende Druckwirkung ist wohl auch die Ursache für die Bildung der von BORN beschriebenen ,atektonischen Faltungen" in Südafrika, wo entlang Klüften Kalke auskristallisiert sind. Ähnliche Erscheinungen finden sich in Salzpfannen der Wüstengebiete. - Bei Faltung durch Seitendruck, sei es daß dieser tektonisch, sei es daß er atektonisch (durch die Schwerkraft bei Rutschungen am Schräghang - wie am Nordabhang des Haarabhanges bei Werl i. Westf. - oder durch Eisdruck - so vielleicht bei einigen der von KEILHACK beschriebenen ,Stiche" - oder durch Zusammenrutschen von Schollen über Auslaugungsgebieten - wie KEILHACK meint - hervorgerufen) ist, üben die vorhergebildeten Klüfte nur einen lokalisierenden Einfluß aus; sie ziehen die Faltung auf sich. Die Erscheinungen gewinnen Interesse für die Großtektonik. So mag von Spalten auf die Kluftwände ausgeübte Pressung bei verschiedenen unserer Salzhorste bestehen, die als ,Spaltenintrusionen" erscheinen, nur daß hier kaum Kristallisationsdruck, vielmehr umgeleiteter tektonischer Druck in Frage kommt. Die Erscheinung der Faltungslokalisierung hat Parallelfälle in der Großtektonik, besonders in Gebieten von Faltenvergitterung. Ihre Beachtung ist für die Beurteilung der Schubrichtungen unumgänglich. ...