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Über Rutilkaolinit? im rheinischen Schiefergebirge

Freudenberg, Wilhelm

Kurzfassung

Auf dem rechten Ufer der Lahn bei Limburg liegen wenige Kilometer oberhalb der Lahnbrücke, rechts der Landstraße, 100 bis 200 m feldeinwärts, alte Gruben, wo offenbar von Zeit zu Zeit Putzsarid geholt wird. Es ist ein kleines Vorkommen von Kaolinsand, das an sich nichts Besonderes bedeuten würde, wenn nicht die mikroskopische Untersuchung einen ungeheueren Reichtum an Rutilnädelchen ergeben hätte. Wäre dem nicht so, so hätte man die wenig mächtige, auf einer alten Terrasse der Lahn ruhende, feinsandige Ablagerung für einen staubfeinen Bimssteinsand halten können. Aber vulkanische Aschen, vor allem nicht die sauren Magmen, haben keinen besonders hohen TiO2-Gehalt. Nun war schon aus der Literatur bekannt, daß manche Kaoline sich durch hohen Gehalt an Titansäure auszeichneten, ohne daß man wußte, wie dieser in das Tongestein hineinkam. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, daß zahllose Tonschiefer des rheinischen Schiefergebirges durch die Führung der sog. Tonschiefernädelchen ausgezeichnet sind, die schon seit LOSSNEN'S Zeiten bekannt sind, so ist ohne weiteres klar, daß ein toniges Zersetzungsprodukt solcher paläozoischer Tonschiefer als unverwitterbaren Rückstand auch die Rutilmikrolithen enthalten muß. Durch Aufbereitung in schwachfließendem Wasser konnten sich nun offenbar die Rutilkaolinite von Limburg bilden aus präexistierenden, an Ort und Stelle zu Kaolin (durch Humate) zersetzte Tonschiefer. Durch seinen mikroskopischen Rutilgehalt eignet sich das Gestein von Limburg vorzüglich als Scheuersand. Auch habe ich nach Versetzen mit Wasserglaslösung oder auch mit Gummiarabikum eine plastische Masse gewonnen, die ich in Stifte goß und zur Behandlung der Haut, an Stelle von Bimsstein, verwandte. - Apoxyomenos. Zum Schluß möchte ich hinweisen auf die mögliche Rolle der Titansäure, also des sehr schwer schmelzbaren Rutils, auf die wertvollen termischen Eigenschaften gewisser Kaoline, die zu Tiegeln gebrannt in der Zinkverhüttung eine wichtige Rolle spielen. Nicht alle Kaoline, ja nur sehr wenige, genügen den technischen Erfordernissen. ...