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Die Verbreitung der Karru im nordwestlichen Kaokofeld (Südwest-Afrika)

Stahl, Alfred

Kurzfassung

Gewaltige Deckenergüsse vulkanischer Gesteine, unterlagert von mehr öder weniger mächtigen Sedimenten, verleihen dem geologischen Bilde des westlichen Kaokofeldes sein charakteristisches Gepräge. Sie bedingen eine ausgesprochene Tafelberglandschaft, von den Hereros Etendeka genannt, die ihre Umgebung vielfach erheblich überragt und dann von weitem wie eine gewaltige Mauer wirkt. Infolge der abtragenden Kräfte ist die Tafel oft stufenförmig modelliert, und an ihrem Rande haben sich breite Sargdeckelformen oder auch spitze Kegel als Zeugenberge herausgebildet. Da die Formation der Etendeka für die Landschaft des westlichen Kaokofeldes so bezeichnend ist, wurde sie früher allgemein ,Kaokoformation" benannt. GÜRICH (1891) und KUNTZ (1912) vermuteten bereits, daß sie der Karruformation Südafrikas gleichzustellen sei, und REUNING (1925) konnte als erster durch Fossilfunde bei Doros im südlichen Kaokofeld den Nachweis liefern, daß diese Vermutungen berechtigt waren. Die aus Melaphyren (Basalten) - oft in Mandelsteinausbildung - und höher hinauf Orthoklasporphyren bestehenden Eruptivdecken zeigen Mächtigkeiten bis zu mehreren hundert Metern. Unter ihnen folgen braune und rote kreuzschichtige, mürbe und löcherig verwitternde Sandsteine vom Typus der Cave-Sandsteine Südafrikas, oft durch ein Konglomerat eingeleitet. Ihre Mächtigkeit schwankt zwischen 0 und maximal etwa 50 bis 70 m, beeinflußt durch Eingreifen der hangenden Eruptiva oder präeruptive Abtragungsvorgänge. Aus diesen Sandsteinen stammt wahrscheinlich ein von REUNING bei Doros aufgefundener zweiwurzeliger Zahn (Archaeotherium reuningi), der die fragliche Schichtenfolge mitsamt den auflagernden Eruptivdecken in die obere Karru (Stormbergschichten) verweist, worauf auch ihr petrographischer Charakter hindeutet. Die Stormbergsandsteine, fraglos eine terrestre, unter dem Einfluß eines ariden Klimas entstandene Bildung, liegen stellenweise direkt auf dem Sockel des älteren gefalteten Gebirges, wie z. B. bei Aufos und NO Bethanis im südlichen Kaokofeld, stellenweise aber treten unter ihnen noch ältere Karrusedimente auf. Diese zeichnen sich durch das Erscheinen toniger und mergelig-kalkiger Bildungen von lakustrem Habitus aus und gehören tieferen Karruhorizonten an.