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Über Symbiosen von Serpula mit Ammoniten im unteren Lias Norddeutschlands

Lange, Werner

Kurzfassung

Einleitung: Es ist bekannt, daß im heutigen Meer solche Fälle von Symbiosen, in denen des Ortswechsels unfähige Tiere mit bewegungsfähigen eine Lebensgemeinschaft bilden, außerordentlich verbreitet sind und bei manchen Arten die Regel bilden. Das Schulbeispiel für diese Symbiosen bildet die Lebensgemeinschaft von Einsiedlerkrebsen mit Seerosen, z. B. Sagartia, Adamsia, und Polypen (Hydractinia, Podocoryne), eine Gemeinschaft, bei der beide Teile ihren Vorteil finden;, die Seerosen und Polypen, indem sie des Vorteils des Ortswechsels, mithin besserer Ernährungsmöglichkeit, die durch die Abfälle der Mahlzeiten des Hauswirts noch gesteigert wird, teilhaftig werden, der Krebs, indem er den durch die Schutzorgane des mit ihm in Lebensgemeinschaft lebenden niederen. Tieres gewährten erhöhten Schutz genießt. Auch manche Würmer beteiligen sich an diesen Symbiosen oder gehen ihrerseits selbständig Symbiosen mit Polypen ein. Im folgenden soll über einige Fälle fossiler Symbiosen berichtet werden, die Anklänge an das eben genannte rezente Beispiel zeigen. Es handelt sich in diesen Fällen um eine Lebensgemeinschaft von Ammoniten mit Serpula. Beschreibung: Ammonitenschalen, die einseitig und in unregelmäßiger Weise oft von zahlreichen Serpula dicht besiedelt sind, wurden vom Verfasser zum Beispiel in den Torus - Schichten der Herforder Liasmulde nicht selten beobachtet; solche scheiden als erst nach dem Absterben des Ammonitentieres und der Ablagerung der Schalen auf dem Meeresboden von der Serpula besetzt für vorliegende Betrachtung aus. Es fanden sich jedoch öfter Stücke, bei denen eine einseitige Orientierung der Serpula auf der Ammonitenschale eine andere Auffassung gebot. Die Serpeln beginnen ihre Röhren auf der einen Seite der Ammonitenschale an beliebiger Stelle, streben von hier in etwa radialer Richtung über die Ammonitenwindungen hinweg auf die Außenseite und wenden: sich, dort angelangt, in rechtem Winkel nach vorn, kielartig auf der Außenseile in gerader oder leicht wellig gebogener Linie weiterwachsend: oder sie haben sich bereits auf der Außenseite angesiedelt und wachsen dann gleichfalls ausschließlich auf dieser in Richtung nach der Mündung der Ammonitenschale zu weiter. Unter zahlreichen beobachteten Fällen ist Verfasser nur ein einziges Exemplar (Arnioceras, siehe weiter unten) bekannt, geworden, bei dem ein Wachsen in umgekehrter Richtung stattfindet. Ist bei diesen Stücken noch ein Zweifel über die Besiedlung bei Lebzeiten möglich, so ist das nicht mehr der Fall bei solchen, bei denen ein Überwachsen der Serpein durch den Ammoniten stattgefunden hat. ...