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Über die Gliederung und Altersstellung des niederrheinischen Braunkohlentertiärs

Breddin, Hans

Kurzfassung

1. Einleitung: Die Tertiärschichten der südlichen Niederrheinischen Bucht bestehen aus einer mächtigen Folge von weißen Sanden mit Tonen, Braunkohlenflözen und Quarzkiesen. Es handelt sich um eine Ausbildung des Tertiärs, die in Mittel- und Ostdeutschland auch sonst weit verbreitet ist und die man als die ,limnische" oder ,kontinentale" Ausbildung des Tertiärs zu bezeichnen gewohnt ist. Durch die mächtigen Braunkohlenlager, die den Sanden und Tonen eingeschaltet sind, gewinnt die Geologie der niederrheinischen Tertiärschichten eine über das rein wissenschaftliche Interesse weit hin ausreichende praktische Bedeutung. Es ist das große Verdienst G. FLIEGEL'S, die geologischen Verhältnisse der südlichen Niederrheinischen Bucht als erster aufgeklärt zu haben. Die Ergebnisse der langjährigen Arbeiten des bekannten Forschers sind zum großen Teil in den Blättern der geologischen Spezialkarte niedergelegt. Außerdem verdanken wir FLIEGEL eine ganze Anzahl von Einzelveröffentlichungen sowie zwei größere Abhandlungen (1910, 1922), die für die Geologie des Niederrheingebietes immer grundlegend bleiben werden. In den letzten Jahren hat im Westen des Bergbaugebietes der Ville bei Köln eine rege Tiefbohrtätigkeit eingesetzt, die sich im Laufe der Zeit über große Gebiete ausgedehnt hat. Viele Hunderte von Bohrungen sind niedergebracht worden, davon eine große Anzahl bis zu beträchtlicher Tiefe. Diese Bohrungen haben die Kenntnis der geologischen Verhältnisse der südlichen Niederrheinischen Bucht in außerordentlichem Maße erweitert. In einer in der Zeitschrift ,Braunkohle" erschienenen Arbeit (1930) hat der Verfasser dargelegt, daß die neuen Beobachtungen zu einer gewissen Umdeutung der Stratigraphie und Tektonik des niederrheinischen Braunkohlengebietes Anlaß geben. Auf diese Ausführungen hin hat G. FLIEGEL in derselben Zeitschrift (1931 a) einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er die bisher geltende Deutung der geologischen Verhältnisse des Tertiärgebietes bei Köln zu verteidigen sucht. Eine weitere kurze Diskussion der strittigen Frage findet sich in der gleichen Zeitschrift (BREDDIN, 1931 C). In der vorliegenden Arbeit soll auf Grund der neu bekannt gewordenen Tatsachen die Gliederung und Altersstellung des gesamten Braunkohlentertiärs der Niederrheinischen Bucht einer näheren Untersuchung unterzogen werden, während in den bisherigen Veröffentlichungen immer nur von den geologischen Verhältnissen im engeren Braunkohlengebiet der Ville die Rede war. ...